Herzlich Willkommen auf meinem Blog

Herzlich Willkommen auf meinem Blog
Mittelbrücke auf Föhr - seit 2023 ist sie leider Geschichte
Posts mit dem Label Andacht werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Andacht werden angezeigt. Alle Posts anzeigen

Donnerstag, 20. Februar 2025

Ein rotes Seil...

Hallo, Ihr Lieben jenseits des Meeres - und auch ihr, hier auf der Insel, in dieser Flaschenpost möchte ich mit euch ein paar Gedanken teilen, die mir während meiner Vorbereitungen auf diverse Andachten oder pädagogische Angebote in unserer Gemeinde gekommen sind.
Ich bin nämlich auf eine Geschichte gestoßen, die ich vermutlich schon mal gelesen hatte (ich habe die Bibel mindestens einmal komplett gelesen), aber ich  hatte diese Geschichte nicht mehr parat. 
Kennt ihr die Geschichte von Rahab?
Hier kommt der Bibeltext dazu:

Josua 2, 1-24:

Josua aber, der Sohn Nuns, sandte von Schiittim zwei Männer heimlich als Kundschafter aus und sagte ihnen: Geht hin, seht das Land an, auch Jericho.

Sie gingen hin und kamen in das Haus einer Hure, die hieß Rahab, und kehrten dort ein. Da wurde dem König von Jericho angesagt: Siehe, es sind in dieser Nacht Männer von den Israeliten hereingekommen, um das Land zu erkunden. Da sandte der König von Jericho zu Rahab und ließ ihr sagen: Gib die Männer heraus, die zu dir in dein Haus gekommen sind, um das ganze Land zu erkunden. Aber die Frau nahm die beiden Männer und verbarg sie. Und sie sprach: Ja, es sind Männer zu mir hereingekommen, aber ich wusste nicht, woher sie waren. Und als man das Stadttor schließen wollte, da es finster wurde, gingen die Männer hinaus, und ich weiß nicht, wo sie hingegangen sind. Jagt ihnen eilends nach, dann werdet ihr sie ergreifen. Sie aber hatte sie auf das Dach steigen lasen und unter den Flachsstängeln versteckt, die sie auf dem Dach ausgebreitet hatte. Die Verfolger aber jagten ihnen nach auf dem Wege zum Jordan bis an die Fruten, und man schloss das Tor zu, als sie draußen waren.

Und ehe die Männer sich schlafen legten, stieg Rahab zu ihnen hinauf auf das Dach und sprach zu ihnen: Ich weiß, dass der Herr euch das Land gegeben hat; denn ein Schrecken vor euch ist über uns gefallen, und alle Bewohner des Landes sind vor euch feige geworden. Denn wir haben gehört, wie der Herr das Wasser im Schilfmeer ausgetrocknet hat vor euch her, als ihr aus Ägypten zogt, und was ihr den beiden Königen der Amoriter, Sihon und Og, jenseits des Jordans getan gabt, wie ihr an ihnen den Bann vollstreckt habt. Und seitdem wir das gehört haben, ist unser Herz verzagt und es wagt keiner mehr, vor euch zu atmen; denn der Herr, euer Gott, ist Gott oben im Himmel und unten auf der Erde. So schwört mir nun bei dem Herrn, weil ich an euch Barmherzigkeit getan habe, dass auch ihr an meines Vaters Hause Barmherzigkeit tut, und gebt mir ein Zeichen, dass ihr leben lasst meinen Vater, meine Mutter, meiner Brüder und Schwestern und alles, was sie haben, und uns vom Tode errettet.

Die Männer sprachen zu ihr: Tun wir nicht Barmherzigkeit und Treue an dir, wenn uns der Herr das Land gibt, so wollen wir selbst des Todes sein, sofern du unsere Sache nicht verrätst.

Da ließ Rahab sie an einem Seil durchs Fenster hinab; denn ihr Haus war an der Stadtmauer, und sie wohnte an der Mauer.

Und sie sprach zu ihnen: Geht auf das Gebirge, dass eure Verfolger euch nicht begegnen, und verbergt euch dort drei Tage, bis zurückkommen, die euch nachjagen; danach geht eures Weges. Die Männer aber sprachen zu ihr: So wollen wir den Eid einlösen, den du uns hast schwören lassen: Wenn wir ins Land kommen, so sollst du dies rote Seil in das Fenster knüpfen, durch das du uns herabgelassen hast, und zu dir ins Haus versammeln deinen Vater, deine Mutter, deine Brüder und deines Vaters ganzes Haus. So soll es sein: Wer zur Tür deines Hauses herausgeht, dessen Blut komme über sein Haupt, aber wir seien unschuldig; doch das Blut aller, die in deinem Hause bleiben, soll über unser Haupt kommen, wenn Hand an sie gelegt wird. Und wenn du etwas von dieser unserer Sache verrätst, so sind wir frei von dem Eid, den du uns hast schwören lassen.

Sie sprach: Es sei, wie ihr sagt! Und ließ sie gehen. Und sie gingen weg.

Und sie knüpfte das rote Seil ins Fenster.

Sie gingen aber weg und kamen aufs Gebirge und blieben drei Tage dort, bis die zurückgekommen waren, die ihnen nachjagten. Denn sie hatten sie gesucht auf allen Straßen und doch nicht gefunden. Da kehrten die beiden Männer um und gingen vom Gebirge herab und setzten über und kamen zu Josua, dem Sohn Nuns, und erzählten ihm alles, was ihnen begegnet war, und sprachen zu Josua: Der Herr hat uns das ganze Land in unsere Hände gegeben, und es sind auch alle Bewohner des Landes vor uns feige geworden.

 Irgendwie hat mich diese Geschichte dann nicht mehr losgelassen. Und dann hab ich mich einfach mal an den Computer gesetzt und meine Gedanken dazu aufgeschrieben:

Die Geschichte wirft Fragen auf.

Wir könnten sie einseitig aus der Perspektive des Volkes Israel betrachten – dann wird Rahab zur Heldin, die dem Volk Gottes geholfen hat, und dafür im Gegenzug für sich und ihre Familie Schutz erhält.

Mit dem Verstecken der beiden Spione bezieht Rahab Stellung für die beiden Fremden – und verteidigt und rettet sie. Das ist heldenhaft!

Aber ganz so einfach ist es ja nicht: denn erstens wird Rahab dadurch zu einer Verräterin an ihrem eigenen Volk – das zieht weitere Lügen und Betrügereien nach sich: Sie muss die Soldaten des eigenen Königs anlügen und sie auf eine falsche Fährte schicken.

Irgendwie fühlt sich dieses Verhalten „unmoralisch“ an. Rahab wirkt dann gar nicht mehr so heldenhaft und strahlend, sondern eher fragwürdig und moralisch verwerflich.

Und zweitens: die Eroberung von Jericho ist blutig und grausam, ein Krieg, ein Eroberungskrieg, wie wir ihn momentan ganz nah bei uns erleben. Russland überfällt die Ukraine, Israel vernichtet Palästina, der amerikanische Präsident sucht einseitig nur das Wohl der reichen weißen Männer in seinem Land.

Wie kann man sich jemanden als Vorbild aussuchen, der genau dieses unterstützt? Und wie können wir dieses Volk, das als Gottes Volk bezeichnet wird, als Vorbild nehmen, mit dieser kriegerischen grausamen Vorgehensweise?

Auf diese Frage weiß ich keine Antwort. Lediglich kann man festhalten, dass aufgrund der archäologischen Funde nicht bestätigt werden kann, dass die Übernahme von Kanaan durch das Volk Israel so blutig und kriegerisch erfolgte, wie sie in der Bibel berichtet wird. Es scheint eher eine Art schleichender Prozess gewesen zu sein, ein Hereintröpfeln in das Land, eine Art kultureller Revolution.

So oder so: das Handeln der Rahab ist nicht wirklich „kriegsentscheidend“. Das Volk Israel wäre auch ohne Rahabs Hilfe ins Land gezogen. Allerdings: die Kundschafter wären dann vermutlich zum Tode verurteilt worden. Für die beiden macht es also einen großen Unterschied, wie sich Rahab verhält.

Rahab nimmt also die beiden Spione auf – vielleicht, weil sie jeden Mann, der zu ihr kommt, erstmal aufnimmt? Weil sie kundenorientiert lebt und denkt?

Oder weil sie sich schon gleich einen Vorteil erhofft, wenn sie Männer aus dem „feindlichen“ und übermächtigen Volk Israel aufnimmt?

Oder weil sie einfach human denkt und handelt?

Weil man die Fremden freundlich empfängt und ihnen hilft?

Wir wissen ihre Beweggründe nicht. Aber eins steht fest: Handeln oder auch Nicht-Handeln zieht immer Konsequenzen nach sich: Rahab hat die Kundschafter gerettet, dabei ihr eigenes Volk verraten und doch gewonnen: denn von allen Bewohnern Jerichos wird sie mit ihrer Familie die einzige Überlebende sein.

Ihre eigene Begründung für ihr Handeln wird uns berichtet: Sie hat schon viel über das Volk Israel gehört, und über dessen Gott. Sei weiß: gegen diese Übermacht hat sie keine Chance.

Im Hebräerbrief wird dies als „Glauben“ interpretiert: Durch den Glauben kam die Hure Rahab nicht mit den Ungehorsamen um, weil sie die Kundschafter in Frieden aufgenommen hatte. (Hebr. 11.31)

Bei Jakobus allerdings wird dasselbe Handeln als „Werke“ interpretiert:

„Desgleichen die Hure Rahab: Ist sie nicht durch Werke gerecht geworden, als sie die Boten aufnahm und sie auf einem anderen Weg hinausließ?“ (Jak. 2, 25)

Rahab hat gehandelt – sie hat nicht einfach die Hände in den Schoß gelegt und gewartet. Die Folgen ihres Handelns sind einerseits unmittelbar für sie und ihre Familie sichtbar, andererseits aber auch für die Heilsgeschichte wichtig, für die Geschichte Gottes mit der Menschheit:

Die unmittelbaren Folgen ihres Handelns habe ich schon berichtet: sie und ihre Familie sind die einzigen Überlebenden des Überfalls auf Jericho.

Was wir aber leicht vergessen, weil es nur ganz versteckt in der Bibel erwähnt wird: Rahab wird als eine Ur-ur-ur-… (30mal) Großmutter Jesu erwähnt. Oder umgekehrt: Ohne Rahab wäre Jesus nicht so auf die Welt gekommen.

An Rahab können wir erkennen, dass Gott jeden Menschen annimmt, wie unpassend er oder sie auch erscheinen mag. (eine Hure, eine Frau, von einem fremden Volk…)

Für diese Annahme eines jeden einzelnen sprengt er Grenzen: die Grenzen zwischen den Völkern, aber auch durchaus sein eigenes Wort. Er hatte eigentlich jede Art von Vermischung mit den Menschen, die in Kanaan lebten, untersagt. Hier aber macht er eine Ausnahme – warum, das können wir nicht sagen. Das ist eins der Geheimnisse, die wir nicht aufklären werden. Aber er tut es. Er tut es immer wieder, denn wir finden in der Bibel sowohl im Alten wie im Neuen Testament Geschichten über Fremde, Angehörige anderer Völker, die Gottes Gnade erlebten.

Gott hat eine Zukunft für jeden und jede, eine Zukunft, eine Aufgabe, von der wir nicht wissen, wofür sie einmal gut sein wird. Rahabs Aufgabe war neben der unmittelbaren Rettung von zwei israelitischen Männern auch die, eine Urahnin von Jesus Christus zu sein.

Ein anderes, was wir lernen, am Beispiel Rahabs: Es gibt keinen unverrückbaren „Status quo“. Die Menschen in Jericho hatten sich eigentlich ganz gut eingerichtet – ankommende Fremde waren weder erwünscht, noch willkommen.
Aber jetzt kommen die Fremden und erobern das Land. Alles wird sich verändern – das macht Angst. Den Status quo beizubehalten wäre leichter und irgendwie bequemer. Mit jedem Fremden, der in die Stadt kommt, werden sich kulturelle Gegebenheit ändern: die Fremden sprechen eine andere Sprache, das wird sich im Austausch mit diesen Fremden auf die eigene Sprache auswirken. Die Fremden bringen ihren eigenen Glauben mit, ihre eigene Religiosität, aber auch ihr eigenes Moral-Empfinden, ihre eigene Vorstellung über richtig und falsch oder über das, was als „schön“ gilt.

Mit jedem Fremden, der in die Stadt kommt, und bleiben will, kommt die Unsicherheit, wird das Althergebrachte in Frage gestellt, wird der eigene Lebensstil auf die Probe gestellt, wird der kulturelle Boden, auf dem wir stehen, wankend und unsicher.

In all dem hat Rahab das rote Seil, das sie sichtbar an ihr Fenster knüpft. Für sie ist das ihre Rettungsleine im Chaos der Überfremdung, ein Ankerseil, das sie und ihre Familie absichert: Was auch geschehen wird: Gott ist auf ihrer Seite!

Mögen auch wir alle solch ein rotes Seil im Herzen haben, an dem wir uns festhalten können, wenn die Welt um uns herum ins Wanken gerät!

Das wünscht


Monika



Montag, 29. Juli 2024

Eine salzige Woche...

Hallo, Ihr Lieben jenseits des Meeres - und auch ihr, hier auf der Insel, in dieser Flaschenpost mache ich mir ein paar Gedanken über Salz.
Eigentlich ist das ja ein bekannter Text: Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt.
Jesus sagt das zu seinen Jüngern und zu uns - im Matthäusevangelium, Math 5, 13-16.
Vor zwei Wochen war dieser Text das Evangelium im Gottesdienst - es hat mich so angesprochen, dass ich in der folgenden Woche gleich zwei Andachten zu diesem Thema gehalten habe. Nun möchte ich ein paar der Gedanken auch mit euch teilen.
Eine Prise Salz zum Mitnehmen


Was heißt das denn - Salz der Erde zu sein?
Zu aller erst denke ich an Würze, wenn ich an Salz denke. Kein Essen kommt ganz ohne Salz aus - selbst eine Tasse Kaffee erhält durch eine winzige Prise Salz im Kaffeepulver einen weicheren, schöneren Geschmack. Nudeln, die nicht im Salzwasser gegart wurden, schmecken... eigentlich eklig.
Auf der anderen Seite: zu viel Salz macht ein Essen auch ungenießbar, abgesehen davon, dass zu viel Salz auch schwerwiegende Krankheiten verursacht.
Mit anderen Worten: wir sind das Salz in der Weltensuppe! Jede und jeder von uns sorgt für angenehme Würze im Leben, in der Welt. Auch wenn es nur wenig ist, was wir beisteuern können: es braucht ja auch nicht viel, um eine Suppe zu würzen.
Trotzdem muss ich auch hier auf das richtige Maß achten: so wichtig wie jede und jeder einzelne auch ist - zu viel "Ich" tut der Gemeinschaft nicht gut.

Aber Salz kann ja noch so viel mehr!
Salz bringt Eis zum Schmelzen - auch im Miteinander!
Salz trägt als Salzwasser, z.B. im Toten Meer. Wir tragen und ertragen einander.
Salz reinigt, z.B. die Haut als Salzpeeling, aber man kann mit Salz auch angebrannte Töpfe und Pfannen blank schrubben. So können auch wir die Atmosphäre in unserer Umgebung reinigen.
Salz konserviert - wir alle kennen eingesalzene Gurken oder eingesalzene Heringe. Leicht verderbliche Lebensmittel können durch Salz haltbar gemacht werden. Wie steht das denn mit unseren Beziehungen? Tun wir etwas, um diese zu konservieren, zu erhalten, trotz vielleicht unterschiedlicher Meinungen und Ansichten?

Ein letztes will ich noch mit euch teilen - eigentlich für mich die wichtigste Erkenntnis aus dieser intensiven Beschäftigung mit dem Thema: 
Angesichts all der vielen Aufgaben und Fähigkeiten, die das Salz mit sich bringt, könnte ich an mir verzweifeln. Ich kann die Welt nicht besser machen - ich bin nur eine einzelne Person mit nur zwei Händen und nur einem Kopf. Irgendwann sind all meine Kapazitäten aufgebraucht.
Aber: habt ihr schon mal versucht, ein einzelnes Salzkorn aus dem Salzstreuer oder der Packung zu greifen? Das geht nicht! Wir greifen immer mehrere Salzkörner, eine kleine Prise. Ein einzelnes Salzkorn würde keine Suppe würzen - eine ganze Prise schon!
So sind auch wir in unserer Bestimmung nicht "Einzelkämpfer" - erst mit vielen zusammen können wir wirksam sein!

Ihr seid das Salz der Erde – sagt Jesus.
Ihr seid Würze, reinigende und bewahrende Kraft, ihr bringt zum Schmelzen, was erstarrt ist.

Ihr seid das Salz der Erde – wir sind Gott so lieb wie das Salz. Wir sind ihm die feine Würze im manchmal faden Alltag der Menschheitsgeschichte. Durch uns leuchtet die Liebe Christi und würzt unauffällig, aber zuverlässig.

Ich habe in meinen Andachten noch die Geschichte von der Salzprinzessin erzählt - für diese Flaschenpost wäre das zu lang, aber wenn ihr mal Zeit findet, um ein Märchen zu lesen: hier ist die lange Originalfassung.

Wir sind Salz der Erde - also lasst uns würzig und scharf, geschmackvoll und wohl dosiert sein!
Gott segne euch!
Monika

Montag, 10. Juni 2024

1000 Kraniche - und die Frage nach den Wünschen...

Hallo, Ihr Lieben jenseits des Meeres - und auch ihr, hier auf der Insel, in dieser Flaschenpost greife ich einen Gedanken auf, der mich seit Beginn der Corona-Pandemie begleitet. Damals habe ich euch gezeigt, wie man einen Kranich faltet. Hier könnt ihr das nachlesen.

Damals ging es mir eher um das Falten, aber heute geht es mir mehr um das, was dieser Kranich symbolisiert.

Falte 1000 Kraniche – und du hast einen Wunsch frei!

So lautet die alte japanische Legende, die ich damals schon kurz angedeutet hatte.

Wenn es doch so einfach wäre! Einen Kranich zu falten, das dauert ungefähr 10 Minuten – nach etwas Übung auch weniger. 1000 Kraniche zu falten, das würde dann etwa 10.000 Minuten dauern, oder ca. 166 Stunden. Oder auch ungefähr 7 Tage. Eine Woche ununterbrochen Kraniche falten, um einen Wunsch zu äußern. Ganz ehrlich: wenn das funktionieren würde, dann würde ich mich dran machen. Was würde ich mir wünschen?

Vor allem würde ich mir Frieden in der Welt wünschen. Im Kleinen unter Nachbarn und in der Familie, aber vor allem auch im Großen. Die Kriege in der Ukraine und im Gazastreifen sind schrecklich, die Handelskriege zwischen den großen Nationen der Welt sind nicht weniger schrecklich.

Wenn es lediglich 1000 Papierkraniche bräuchte, um das zu beenden – ich würde sofort mit dem Falten anfangen.

Ich möchte euch die Geschichte von Sadako aus Japan erzählen – vielleicht habt ihr diese Geschichte schon gehört. Es ist eine traurige, aber gleichzeitig auch eine mutmachende Geschichte.

Sadako war etwa 2 Jahre alt, als über ihrer Heimatstadt Hiroshima die erste Atombombe abgeworfen wurde. Zunächst sah es so aus, als hätte sie dieses Unglück unbeschadet überstanden – aber als sie 12 Jahre alt war, erkrankte sie schwer an Leukämie, der sogenannten Strahlenkrankheit.

Da begann sie, Kraniche zu falten. Sadako faltete aus winzig kleinem Papier – aus den Beipackzetteln ihrer Medikamente - 1000 Kraniche. Es schien ihr zunächst schon sehr viel besser zu gehen. Das gab Sadako Hoffnung und sie versuchte weitere 1000 Kraniche zu falten.

Aber irgendwann merkte sie, dass sie sich von den Folgen der Radioaktivität nicht erholen würde, und sie änderte ihren Wunsch. Stattdessen betete sie für Frieden zwischen den Ländern dieser Welt. Mit jedem Kranich, den sie faltete, flüsterte sie: „Ich werde Frieden auf deine Flügel schreiben und du wirst in alle Welt fliegen.“

Sie hatte 644 Kraniche gefaltet, als sie starb.
Dennoch ist ihr Leben nicht vergessen – denn seitdem gelten in Japan und in der Welt die Origami-Kraniche nicht nur als Wunscherfüller, sondern auch als Zeichen des Friedens.

Vielleicht ist die Vorstellung naiv, dass lediglich 1000 Papierkraniche für den Frieden genügen. Wir wissen ja, dass es so einfach nicht ist.

Aber die Geschichte von Sadako zeigt uns auch, dass hinter den 1000 Kranichen mehr steckt als das Produkt. Es geht gar nicht um die 1000 gefalteten Papierstückchen. Es geht um den Vorgang des Faltens.

Beim Falten sind die Finger beschäftigt, die Gedanken konzentrieren sich auf den nächsten Knick – es ist einfach meditativ. So gesehen kann das Falten von Kranichen dabei helfen, den Alltag mit seinen schrecklichen Nachrichten und seinen drängenden Sorgen für eine kleine Zeit zu vergessen. Gedanken und Gefühle können sich dabei auf Gott fokussieren – das ist für mich ein Gebet!

Nein, Gott lässt sich nicht durch die Anzahl von gefalteten Kranichen zu irgendetwas „zwingen“ – nicht umsonst heißt eine der Bitten im Vaterunser: Dein Wille geschehe. Aber ab und zu mal innehalten und ein Gebet sprechen oder denken – einfach mal Kontakt zu Gott aufnehmen – das kann ja nicht verkehrt sein.

Und wenn ein Papierkranich dabei hilft – warum eigentlich nicht?

Wenn du 1000 Kraniche gefaltet hast, erfüllen die Götter dir einen Wunsch – ich komme noch einmal auf diese Legende zurück.

Wenn ich 1000mal beim Falten um dasselbe gebetet habe – 1000 Mal um Frieden gebetet, 1000 Mal darum, dass Gottes Wille geschehe, dann hat dieses Gebet 1000 Mal meine Seele berührt. Wenn es auch nicht Gott zu irgendetwas „zwingen“ kann – es wird auf jeden Fall mich selbst verändern. Vermutlich ist es mir nach dem 1000. Kranich dann egal, ob mein Wunsch erfüllt wird, denn ich habe mich eingefunden in Gottes Gegenwart und Liebe.

Das geht mit Kranich falten – und auch ohne!

Ich fordere euch jetzt nicht auf, einen Kranich zu falten – das würde den Rahmen dieser Flaschenpost definitiv sprengen und ist ja auch irgendwie nicht Teil unserer deutsch-nüchternen Kultur. Aber trotzdem: mit oder ohne Papierkranich: was wäre denn der eine große Wunsch, das eine große Gebet, dass du vor Gott bringen möchtest? Worum würdest du bitten, wenn...

Und falls du doch noch mal einen Kranich falten willst - die Anleitung findest du in meiner alten Flaschenpost von 2019!

Seid herzlich gegrüßt von 


Monika

Montag, 13. Mai 2024

Glück oder Unglück

Hallo, Ihr Lieben jenseits des Meeres - und auch ihr, hier auf der Insel, in dieser Flaschenpost melde ich mich nach einer langen Blog-Abstinenz zurück. Ob ich in der Zukunft weiter so regelmäßig wie in den letzten Jahren Posts verfassen kann, das kann ich noch nicht abschätzen - aber wer kann schon in die Zukunft gucken...
Wie dem auch sei, in dieser Flaschenpost möchte ich mit euch meine Predigt vom letzten Sonntag teilen. Das war der Sonntag Exaudi, am 12. Mai. Das ist der Sonntag zwischen Himmelfahrt und Pfingsten.
Ein Bild vom Altar in St. Nicolai.
Dargestellt ist Christi Himmelfahrt - wenn ihr
genau hinschaut, dann erkennt ihr die Fußabdrücke
an der Stelle, wo Jesus gestanden hat, als er in den
Himmel entschwand. 
Irgendwie rührend, diese barocke Darstellung.

Hier nun ohne weitere Anmerkungen meine Predigt:

Predigt:

Samstag, 13. Januar 2024

Freie Auswahl!

Hallo, Ihr Lieben jenseits des Meeres - und auch ihr, hier auf der Insel, in dieser Flaschenpost denke ich nach über die berühmte gute Fee mit ihren drei freien Wünschen.

Was wünschst du dir, wenn du wirklich freie Auswahl hast? Die gute Fee steht vor dir und fuchtelt ein wenig mit ihrem Feenstab herum - vermutlich glitzert es ein bisschen, Feenstaub wirbelt durch die Luft und fängt deinen Blick auf. Du hast einen, meinetwegen auch drei Wünsche frei. Wofür entscheidest du dich?

Ehrlich, diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Das will gut überlegt sein. Worauf kommt es mir eigentlich wirklich an, so sehr, dass ich alles andere dahinter einordnen kann?
Gesundheit? - ja, sicher, aber doch nicht nur für mich, auch für meine Familie.
Glück? - ja, auch, aber das ist ja so schwer zu fassen. Was ist denn Glück?
Frieden? - ja, bestimmt, aber auch Frieden ist ein großer Wunsch, der nicht zu fassen ist. Nicht Frieden um jeden Preis, wenn ich dafür die Freiheit aufgeben muss, dann nicht. Wenn ich für den Frieden alles mit mir machen lassen muss, dann verzichte ich auf den Frieden. Wenn es Frieden nur gibt, indem andere unterdrückt werden, dann ist das falsch.

Also: Gesundheit, Glück und Frieden wären nicht meine drei ersten Wünsche. Aber was dann?

Ich habe in der Bibel eine Geschichte gefunden, die ich völlig vergessen hatte. Ich kenne sie eigentlich aus meiner Grundschulzeit. Damals hatten wir eine Katechetin, sie kam immer einmal in der Woche in unsere Klasse und hat uns aus der Bibel erzählt, unter anderem tatsächlich auch diese Geschichte aus dem Alten Testament:
König David war gestorben, es sollte nun Salomo sein Nachfolger werden. Was zunächst wie ein wahrgewordener Traum klingt, wird für Salomo in Gedanken eher zum Alptraum: wie soll er mit der Macht über ein solches Königreich umgehen? Wie soll er ein würdiger Nachfolger seines Vaters werden? David gilt ja bis heute als einer der wichtigsten und größten Könige Israels. Die Fußspuren sind groß, wie soll Salomo als junger Mann diese ausfüllen?
Ich kann mir gut vorstellen, dass ihm die Vorstellung von der riesigen Verantwortung, die ihm auferlegt wird, Kopfschmerzen und schlaflose Nächte bereitet.
Es erscheint ihm nicht die gute Fee, sondern Gott spricht zu ihm im Traum: Bitte, was ich dir geben soll! (1. Könige 3, 5). Mit anderen Worten: Salomo, du hast einen Wunsch frei - was wählst du?
Und Salomo bittet - für mich völlig überraschend - nicht um Sicherheit, um Glück oder um Frieden. Er bittet um ein "hörendes Herz" - Luther übersetzt hier ein gehorsames Herz.

Ein Herz mit Ohren, das gibt es eigentlich nicht. Wir hören ja mit den Ohren, nicht mit dem Herzen. Dennoch: wer mit dem Herzen hört, der hört auch das Unausgesprochene, der hört, was sich hinter den vordergründigen Worten verbirgt. Wer ein hörendes Herz hat, der kann erspüren, wo der andere in Not ist. Dass Luther das mit "gehorsam" übersetzt, bringt hören und tun zusammen, denn aus dem hören, dem Horchen folgt dann das Tun, das Ge-Horchen.

Man sieht nur mit dem Herzen gut - diesen Satz kennen wir alle aus der Geschichte vom Kleinen Prinzen. Man hört aber eben auch nur mit dem Herzen gut - das habe ich heute verstanden.

Du hast einen Wunsch frei - Salomo wünscht sich ein hörendes Herz - und sein Wunsch wird erfüllt. Salomos Weisheit ist sprichwörtlich geworden, das salomonische Urteil gilt bis heute als besonders ausgewogen und irgendwie richtig.

Was wünscht ihr euch, wenn ihr freie Auswahl habt?
Seid gesegnet, das wünscht euch
Monika


Montag, 1. Januar 2024

Vertrauen?

Hallo, Ihr Lieben jenseits des Meeres - und auch ihr, hier auf der Insel, in dieser Flaschenpost teile ich euch meine Gedanken zum Jahresmotto unseres Kirchenkreises:

Dazu habe ich für den Neujahrsgottesdienst eine Predigt geschrieben:

Wir feiern Neujahr – mitten in der letzten Nacht ist das alte Jahr zu Ende gegangen, vor uns liegt ein neues Jahr – zwölf neue Monate, die darauf warten, von uns gelebt zu werden.

Wir wissen nicht, was uns erwartet. Wie wissen nicht, was kommen wird. Natürlich machen wir Pläne, oder haben sie schon gemacht: wir planen, wann wir Urlaub nehmen, welches Urlaubsziel wir anvisieren, wir planen, welche Besuche oder größeren Feste in diesem Jahr anstehen werden.

All das haben wir vermutlich schon längst geplant, die neuen Kalender mit den leeren Seiten gibt es schon seit ungefähr Mitte September zu kaufen, damit wir in unserer Geschäftigkeit auch nicht einen einzigen Moment unterbrochen werden müssen.

Heute nun ist dieser eine besondere Tag, heute beginnt das neue Jahr. Und auch, wenn es vermutlich schon ziemlich weit verplant ist – dies ist der Moment, in dem wir uns auf dieses neue Jahr einstellen und vorbereiten können.

Was wird das neue Jahr bringen? Leben oder Tod? Gesundheit oder Krankheit? Krieg oder Frieden? Erfolg oder Scheitern? Wir wissen es nicht. Noch liegen die zwölf Monate vor uns, unbeschrieben wie leere Papierblätter.

Der Neujahrstag ist kein Tag wie jeder andere – es ist ein besonderer Tag, an dem wir uns besondere Gedanken machen. Neujahrsvorsätze sind weit verbreitet – das Gefühl, ich darf nochmal neu anfangen, ist am Neujahrstag besonders stark. Auf der anderen Seite ist es aber ein Tag wie jeder andere auch – die Unterbrechung des Alltäglichen ist eigentlich nur in unseren Gedanken vorhanden.

Wie schauen Sie auf das Neue Jahr, mit welchen Gefühlen und Gedanken beginnt ihr das Neue Jahr?
  • Überwiegt eher die Sorge? Befürchten Sie schlimme Erlebnisse?
  • Oder überwiegt eher die Vorfreude?
  • Freuen Sie sich auf schöne Momente?
Mir geht seit Anfang Dezember das Jahresmotto unseres Kirchenkreises nicht aus dem Kopf: Werfet euer Vertrauen nicht weg – so lautet es und fordert mich auf, voller Zuversicht und Vertrauen in die Zukunft zu schauen.

Was ist eigentlich Vertrauen?

Mir fallen viele ähnliche Worte ein: Vertrauen, Zutrauen, sich trauen, die Trauung, zutraulich, vertraulich, Misstrauen, vertrauensbildend, vertrauenerweckend, vertrauenswürdig. Jemanden betrauen mit einer Aufgabe, anvertrauen, hinaustrauen, heimtrauen.
Trauung, Trauschein, Trauzeuge.
Misstrauensantrag.
Traute haben.
Trautes Heim, Glück allein.
Vertrauensbasis, Vertrauensbeweis, Vertrauensperson, Vertrauensvorschuss.
Du bist zu vertrauensselig.
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
Trau dich doch!

Das Wort Vertrauen geht auf das gotische trauan zurück, es gehört zu der Wortgruppe um „treu“, was soviel wie stark, fest, dick bedeutet.

Vertrauen ist ein Phänomen, das in unsicheren Situationen auftritt. Wer sich einer Sache sicher sein kann, braucht ja kein Vertrauen. Vertrauen benötigt eine Grundlage, die Vertrauensgrundlage. Das könnten z.B. Erfahrungen sein. Wenn ich immer erlebt habe, dass der Bus pünktlich kommt, dann werde ich auch am kalten Morgen kurz vor planmäßiger Ankunft des Busses nicht verzweifeln, sondern mich darauf freuen, dass er gleich um die Ecke biegen wird und meinem Warten ein Ende macht. Ich kann darauf vertrauen, dass der Bus kommt, weil ich es schon oft selbst erlebt habe. Mein Vertrauen stützt sich auf meine Erfahrung.

Vertrauen kann auch entstehen, wo mir jemand von seinen Erfahrungen erzählt. Das erlebte Vertrauen der anderen Person kann sich auf mich übertragen. Im Beispiel mit dem Bus könnte es sein, dass mit mir an der Bushaltestelle jemand steht, der täglich mit diesem Bus zur Arbeit fährt. Wenn dieser Mensch beobachtet, wie ich immer wieder nervös nach dem Bus Ausschau halte, wie ich auf die Uhr gucke und zum wiederholten Mal den Fahrplan checke, dann könnte er mir erzählen, dass genau diese Buslinie eigentlich immer pünktlich kommt.

Jemandem sein ganzes Vertrauen zu schenken, kann sehr aufregend sein, z.B. das Vertrauen, das ein kleines Kind seinem Vater schenk, wenn es von oben herab in die ausgebreiteten Arme springt. Für beide ist dieses Erlebnis aufregend und schön – für das Kind, wenn es bemerkt, dass sein Vertrauen berechtigt war und es vom Vater aufgefangen wird – und natürlich für den Vater, dem das Vertrauen entgegengebracht wird, und der nun seinerseits alles daran setzt, dieses Vertrauen nicht zu enttäuschen.

Wie schon gesagt, unser Kirchenkreis hat den Bibelvers zum Jahresmotto für dieses Kirchenjahr ausgerufen: Werfet euer Vertrauen nicht weg (Hebr. 10, 35), (welches eine große Belohnung hat.)

Dazu gibt es ein Logo, über das man lange meditieren kann, und immer wieder wird man neues entdecken.

Mein erster Gedanke, als ich dieses Logo gesehen hatte, war: eine Kugel – vielleicht unsere Erde – ruht auf einer Hand. Gott hält uns fest – auch in diesen unsicheren Zeiten der Kriege und der Klimaveränderung. Wir können nicht tiefer fallen als in Gottes Hand.

Mein Zweiter Gedanke war: da steht ja eine Person auf dieser Hand. Ich erkenne den Kopf, die Arme sind ausgebreitet, wie zum Segnen. Sicher und fest sieht das aus, diese Person zeigt keine Unsicherheit. Von Gott getragen und gestützt, kann sie weitergeben, was sie von ihm empfangen hat – den Segen. Für mich wird das symbolisiert durch die drei kleinen Sternchen, die glitzernd und funkelnd aus der segnenden Hand erstrahlen.

Je länger ich das Bild anschaue, desto mehr entdecke ich. Ist das vielleicht gar keine Person, die da von der großen Hand gehalten wird? Es sieht eigentlich auch aus wie ein Schiff. Der Mast ragt an der linken Seite nach oben und weist zum Himmel. Dann sind die 3 Sterne am oberen Bildrand vielleicht die Orientierungspunkte am Nachthimmel. Wenn man nichts mehr sehen kann, wenn der Weg unsicher wird, dann helfen uns die Gestirne bei der Orientierung. Es sind genau 3 Sterne – vielleicht eine Andeutung auf den dreieinigen Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist? Sicherer als alle Sterne und als jedes GPS kann uns Gott den Weg durch die Zeit zeigen.

Das Boot, das andeutungsweise zu erkennen ist, erinnert an die Geschichten, die wir schon im Kindergottesdienst gehört haben: von der Seenot der Jünger, die mit dem Schiff unterwegs waren, als sich ein großer Sturm erhob, von Jesus, der mitten im Sturm ruhig und sicher schläft und erst von den Jüngern aufgeweckt werden muss. Nachdem Jesus den Sturm beruhigt hatte, fragte er die Jünger: Wo ist euer Glaube?

Die Frage war ja berechtigt, denn die Jünger waren ja nicht allein im Boot – Jesus war ja da, auch wenn er gerade mal geschlafen hatte. Gleichzeitig ist da immer noch die Hand, die das Boot trägt – was schadet ein Seesturm, was schadet ein Schiffbruch, wenn Gott das Meer ist? So könnte man fragen.

Einen dritten Gedanken zu diesem Logo möchte ich noch loswerden: das obere Kreissegment – in dem der Kopf der Person abgebildet ist, erinnert in der Form an ein Auge. Mit dieser Wahrnehmung entdecke ich, dass einerseits Gottes Hand mich, mein Lebensschiff, die ganze Welt hält und trägt, andererseits aber auch, dass Gott mich sieht, mein Lebensschiff, meine Fahrt durch das Meer der Zeit, das Treiben auf dieser Welt, ja, die ganze Welt. Mehr noch: Gottes Auge und Gottes Hand vervollständigen den Kreis – sie sind nicht außerhalb der Welt, sie sind Teil des Ganzen.

Werft euer Vertrauen nicht weg. Was für ein schönes Motto für das vor uns liegende Jahr. Ohne Vertrauen sieht die Zukunft düster aus. Ohne Vertrauen könnten wir keinen einzigen Schritt tun. Aber weil Gott uns sieht und hält, können wir voll Vertrauen in dieses Jahr gehen – und gelassen abwarten, was es uns bringen wird.

Geht gesegnet in dieses niegel-nagel-neue Jahr!
Monika


Samstag, 25. November 2023

Zeit für Dinge

Hallo, Ihr Lieben jenseits des Meeres - und auch ihr, hier auf der Insel, in dieser Flaschenpost möchte ich mit euch ein Gedicht teilen, das ich schon seit längerer Zeit auf meinem Schreibtisch liegen habe.

Morgen ist Totensonntag - der letzte Tag im Kirchenjahr, wir denken an die Verstorbenen unserer Gemeinde, erinnern uns dankbar an das, was wir mit ihnen erlebt haben und geben unserer Trauer darüber, dass sie gegangen sind, noch einmal Ausdruck.

Und am Tag danach beginnt irgendwie schon die Vorbereitung auf Advent. Dieses Jahr ist die Adventszeit ja nur 3 Wochen - am 4. Advent ist schon Heiligabend. Innerlich fühle ich mich angetrieben, möchte das Haus schön vorbereiten, möchte Adventskalender und Kekse verschenken. Dazu muss ich aber erstmal basteln und backen. 
Gleichzeitig beginnt in der Gemeindearbeit die wuseligste Zeit. Gerade wir kirchlichen MitarbeiterInnen hetzen von einer Besinnung zur nächsten und wissen oft nicht mehr, wo uns der Kopf steht. Die eigene Besinnung kommt dabei oft zu kurz.
Daher spricht mich für die kommende Zeit das Gedicht, das ich gleich mit euch teile, besonders an:
Zeit für Dinge:
Nimm dir Zeit zum
Arbeiten.
Das ist der Preis für den Erfolg.
Nimm dir Zeit zum
Nachdenken.
Das ist die Quelle der Kraft.
Nimm dir Zeit zum
Spielen.
Das ist das Geheimnis des Jungseins.
Nimm dir Zeit zum
Lesen.
Das ist die Grundlage des Wissens.
Nimm dir Zeit für die
Andacht.
Das wäscht den irdischen Staub von deinen Augen.
Nimm dir Zeit zur
Freundlichkeit.
Das ist der Weg zum Glück.
Nimm dir Zeit zum
Lieben.
Das ist wahre Lebensfreude.
Nimm dir Zeit zum
Träumen.
Das trägt deine Last zu den Sternen hinauf.
Nimm dir Zeit zum
Lachen.
Das ist heilsam für die Seele.
Nimm dir Zeit zum
Planen.
Dann bleibt auch Zeit für die ersten neun Dinge.

Leider habe ich keinen Urheber für diese weisen Zeilen - sorry!
Aber das könnte mein Programm für die kommenden Wochen sein - vielleicht ist dann der Weg von Besinnung zu Besinnung weniger hektisch!
Kommt gut durch die kurze Adventszeit!
Monika




Samstag, 4. November 2023

Am Anfang war das Licht...

Hallo, Ihr Lieben jenseits des Meeres - und auch ihr, hier auf der Insel, in dieser Flaschenpost melde ich mich zurück aus dem Urlaub - ich bin wieder da!

Eine kleine Zeit der Erholung und des Abschaltens tut gut - ich habe wieder Lust auf meine Arbeit, neue Energie gesammelt. Jetzt kanns wieder losgehen!

Ich möchte mit euch ein Event aus dem Urlaub teilen: die Föhrer Lichterwoche!
Am 24. Oktober, also noch mitten in meinem Urlaub, wurde unsere ohnehin schöne St. Nicolai-Kirche in Magenta und Türkis illuminiert. Selbstverständlich nutzen wir eine solche Gelegenheit! Unsere beiden Organisten, Martin Bruchwitz und Andreas Reincke, haben sich an die Orgel gesetzt und in der Zeit der Illumination einfühlsame und besinnliche Orgelmusik gespielt. Ich selbst habe von der Kanzel Texte gelesen, die sich zum Teil klanglich mit der Orgelmusik verbunden hatten, zum Teil aber auch einfach in die Spielpausen hinein gelesen wurden. Zusammen mit der wunderbaren Illumination von "Kystlys" ergab das ein beeindruckendes Gesamtkunstwerk. Einfach nur schön!

Wovon ich selbst nichts mitbekommen habe, weil ich die ganze Zeit auf der Kanzel stand, was aber ein wesentlicher Teil der schönen Atmosphäre ausgemacht hatte: unser Kirchengemeinderat hat sich voll eingesetzt und im Turm Würstchen gegrillt und Getränke verkauft.

Ich zeig euch einfach mal ein paar Fotos - Worte können das Erlebnis ohnehin nicht wiedergeben!

Von außen wirkt die Kirche Magenta,
aber ein kleines blaues Fenster verweist darauf,
dass es auch noch drinnen etwas vielleicht ganz
anderes gibt.

Der Altar erstrahlt, als ob die Sonne in
dunkler Nacht aufgeht

Kerzen und Kirche gehören zusammen -
aber solch eine dezent flackernde Kerze
aus reinem Licht erinnert uns an das
Licht der Welt, das in Jesus Christus zu uns kam.

Hier muss man schon ein wenig hinschauen und
sich auf die Bilder einlassen: in der Kuppel rauscht
das Meer. Leider hatte ich selbst nur die Gelegenheit
zu diesem kleinen Einblick - man hat mir erzählt,
wer sich ein wenig Zeit an dieser Stelle nimmt,
kann ein Schiff vorüberfahren sehen.

Diesen spezielle Blick hatte nur ich: von der Kanzel
hinüber zur Orgel, die wie ein Spiegelbild des Altars
ebenfalls in Sonnenaufgangsfarben getaucht war.

Große Schatten in der Kuppel des Norderschiffs -
fast wie übergroße Menschen, die als stumme Wächter
über das Geschehen in der Kirche wachen

von außen war die Kirche spektakulär in den
Farben des Nordlichtes illuminiert.

Hinter jeder Ecke eine neue Sicht...


Das wars für heute, ich hoffe, die Bilder geben euch einen kleinen Einblick in das Geschehen. Hoffentlich gibt es eine solche Lichterwoche noch mal, und hoffentlich ist dann auch St. Nicolai wieder dabei!

Liebe Grüße
Monika



Samstag, 30. September 2023

Schön hier...

Hallo, Ihr Lieben jenseits des Meeres - und auch ihr, hier auf der Insel, in dieser Flaschenpost teile ich mit euch ein paar Gedanken, die ich in einer Morgenandacht irgendwann im Juli weitergegeben habe. Es geht um Schönheit...
Das Bild stammt zwar nicht aus diesem Jahr,
aber: ist das nicht schön hier?
Ein quasi menschenleerer Strand am
Morgen, ein spektakulärer Himmel
und am Horizont die Halligen...
HERR, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter. Psalm 104,24 
Jede Jahreszeit bringt Schönheit mit sich. Ich kann gar nicht sagen, dass ich eine Jahreszeit besonders liebe. Mittlerweile ist der Sommer fast vorbei - die ersten Blätter werden gelb, es gibt ordentlich Wind, meteorologisch ist ja bereits Herbst. Auch die Urlauber haben zum größten Teil die Insel verlassen, und am Sonntag geht's dann auch für mich in den lange ersehnten Urlaub.

Ich mag den Herbst - besonders diese besondere Zeit zwischen Sommer und Herbst, in der es noch hier und da schöne, warme Tage gibt mit T-Shirt-Wetter. Aber es ist auch nicht mehr so heiß, dass man sich suchend nach dem nächsten Schattenplatz umguckt und am liebsten gar nichts macht, was irgendwie körperlich anstrengend wäre. Jetzt ist die richtige Zeit zum Spazieren gehen - am Strand oder im Wald. Unsere beiden Hündinnen sind dann immer dabei, und auch sie toben sich ordentlich aus. 
Meistens sind wir im Wald unterwegs - bestaunen die Vielfalt der Pilze, die jetzt aus dem Boden schießen, freuen uns an besonders schönen Fliegenpilzen und bücken uns nach Eicheln und Kastanien. Es ist schön, bei uns im Wald.

Wo immer wir Schönheit sehen und staunen, da bricht es aus uns heraus: „Oh, ist das schön.“ – „Ah, tut das gut.“ – „Wow, macht das Spaß.“ Es würde etwas fehlen, wenn wir das nicht aussprechen, oder? Wir empfinden Freude, während wir es aussprechen, ja, es bringt die Freude zum Höhepunkt.

Ich bin mir sicher: viele von euch Lieben jenseits des Meeres haben das ganze Jahr über Föhrweh haben – und wenn ihr dann endlich auf der Fähre über das Meer fahrt, von kreischenden Möwen begleitet, dann atmet ihr auf, dann fällt der Alltag ab, dann erlebt ihr bewusst die Weite des Himmels und des Horizontes - Schönheit eben.

Halten wir mal einen Moment inne und überlegen, was es uns ermöglicht diese Schönheit zu erleben.

Gott hat uns Augen gegeben. Auf einem einzigen Quadratmillimeter der Netzhaut haben wir ca. 400.000 Sehzellen.

Wir können uns an dem Gesang der Vögel oder dem Rauschen des Meeres freuen, weil Gott uns Ohren gegeben hat.

Wir können herrliches Obst und Gemüse genießen, weil Gott uns einen Geschmackssinn gegeben. Der Mensch besitzt etwa 5000 – 10.000 Geschmacksknospen im Mund.

Wir können uns am Duft der Blumen freuen, weil Gott uns eine Nase und einen Geruchssinn gegeben hat. Wir besitzen 10 – 25 Millionen Riechzellen und können weit mehr als 10.000 Gerüche unterscheiden.

Wir können die warme Sonne und das kühle Wasser auf der Haut fühlen, weil Gott uns einen Tastsinn gegeben hat. Auf einem Quadratzentimeter Haut haben wir 6 Millionen Zellen, 100 Schweißdrüsen, 15 Talgdrüsen, 5000 Sinneskörperchen, 200 Schmerzpunkte, 25 Druckpunkte, 12 Kältepunkte und 2 Wärmepunkte. Wir selbst sind ein Wunderwerk Gottes. Gott hat uns mit alledem und noch viel mehr ausgestattet, so dass wir Schönheit erleben und genießen können.

Die Werke der Schöpfung und das Wunderwerk Mensch selbst spiegeln Gottes Schönheit wider. In dieser Schönheit begegnet uns Gott in seiner Schönheit.

Wenn schon diese Schöpfungswerke, an denen wir uns freuen und die uns einfach gut tun, so schön sind, wie schön muss Gott sein, der all das gemacht hat? Wenn seine Schöpfungswerke uns so mit Freude erfüllen, wie viel mehr ist bei Gott Freude? Wenn unsere Seele in der Schöpfung aufatmet und zur Ruhe kommt, wie viel mehr kommt sie beim Schöpfer selbst zur Ruhe und atmet auf. Und wenn wir selbst schon so wunderbar gemacht sind und mit so vielen Millionen Details ausgestattet sind, wie viel mehr ist Gott wunderbar, der uns gemacht hat und uns Leben geschenkt hat.
„HERR, wie sind deine Werke so groß und viel! Du hast sie alle weise geordnet, und die Erde ist voll deiner Güter.“
Wie gesagt, am Sonntag beginnt für mich der Urlaub - ich freue mich drauf, mal von der Insel runter zu kommen, auszuspannen und schöne Ecken auf dem Festland zu entdecken.

Falls ich also in den nächsten Wochen keine Flaschenpost mehr sende, dann liegt es daran, dass mich die Schönheit in Deutschland so gefangen nimmt. Vielleicht finde ich aber auch, wie im letzten Jahr, so dies und das, das ich mit euch teilen möchte.

Seid gesegnet
Monika

Samstag, 23. September 2023

Satt und zufrieden?

Hallo, Ihr Lieben jenseits des Meeres - und auch ihr, hier auf der Insel, in dieser Flaschenpost teile ich meine Gedanken über eine der zentralen Bitten aus dem Vaterunser: Unser täglich Brot gib uns heute...

Manchmal, wenn ich Zeit und Muße dafür finde, backe ich für uns ein Brot – nichts duftet so köstlich, wie ein Brot, das im Ofen langsam knusprig und gar wird.
Wenn es dann frisch aus dem Ofen kommt, möchte man es sofort anschneiden, so lecker duftet es. Aber es muss ja erst ein wenig auskühlen, so viel Zeit muss sein.
hier habe ich schon einmal über
Brot nachgedacht und dabei mein
Brotrezept geteilt.

Jedes Mal, wenn ich ein Brot backe, dann denke ich an die Bitte aus dem Vaterunser: Unser tägliches Brot gib uns heute.
Und jedes Mal, wenn ich an diese Bitte bewusst denke, dann frage ich mich: meine ich das auch so?

Diese schlichte Bitte um das tägliche Brot – denn mehr als Brot braucht es ja eigentlich nicht, um satt zu werden.
Und noch während ich das denke, ertappe ich mich selbst dabei, dass ich nach Butter Ausschau halte, um sie aufs Brot zu streichen, und nach Käse und Wurst. Als ob das Brot allein nicht genug sei.

Aber wir haben ja Käse und Wurst und Butter im Kühlschrank, kein Problem eigentlich.
Und während ich das Käsebrot verzehre, denke ich schon daran, was mir noch alles fehlt: ein neues T-Shirt, ein Einkaufsbummel in Flensburg, lecker essen gehen, eine Urlaubsreise, möglichst weit weg. Viel zu schnell ist das Käsebrot aufgegessen, aber bin ich satt geworden?

Es ist so ein Phänomen mit dem Sättigungsgefühl: wenn es so richtig lecker schmeckt, dann esse ich viel zu schnell und spüre gar nicht, wie sich die Wärme des Satt-seins vom Bauch aus ausbreiten kann. Zurück bleibt ein hohles Gefühl von Unzufriedenheit – satt fühlt sich anders an.

Dann esse ich noch mehr leckeres Essen, oft viel zu schnell und zu hastig, bis ich so richtig vollgestopft bin und kaum noch „papp“ sagen mag – auch das fühlt sich nicht nach satt an.

Wann war ich eigentlich zuletzt mal so richtig satt? Ich meine: satt und zufrieden, so richtig innerlich wohlig, ohne den Wunsch nach noch mehr oder nach etwas anderem?

Meine Gedanken schweifen weiter. Ich denke an einen Bibelvers, den ich mal beim Propheten Jesaja gelesen habe:
Warum zählt ihr Geld dar für das, was kein Brot ist, und euren sauren Verdienst für das, was nicht satt macht? (Jes. 55, 2)

Wofür gebe ich eigentlich mein Geld aus?

Mein Haus ist voll mit Dingen, die sich im Laufe eines Lebens angesammelt haben. Und doch ist nichts von diesen Dingen so wichtig, wie das tägliche Brot. Das kaufe ich in der Regel für wenig Geld beim Bäcker oder im Supermarkt – oder ich backe es selbst, wenn ich die Zeit dafür finde. Aber eigentlich verschwende ich kaum einen Gedanken daran. Es ist alltäglich, Brot gibt es irgendwie immer.

Und die vielen Dinge, die mein Haus, mein Leben füllen?

Macht mich das eigentlich satt?

Was macht euch eigentlich satt?
Was braucht ihr zum Leben – so nötig, wie das tägliche Brot?

Ich bin das Brot des Lebens – sagt Jesus Christus (Joh. 6, 35) – und damit weist er weit über den körperlichen Hunger hinaus. Es gibt einen Hunger der Seele, der schwerer zu stillen ist als der Hunger des Bauches. Aber beide – der Hunger des Magens wie auch der Hunger der Seele, erfordern immer wieder, dass man sie füttert. Es genügt nicht, ein für allemal, die Seele zufrieden zu stellen. So wie sich der Bauch immer wieder neu füllen muss, und die Nahrung nötig ist für unseren Körper, so braucht auch die Seele immer wieder Nahrung, damit sie neue Kraft für den Alltag sammeln kann.

Womit probieren wir, den Lebenshunger zu stillen? Vielleicht mit Genuss oder Selbstkontrolle, Fleiß und Perfektionismus, Esoterik oder Psychologie, Geld, Erfolgen, Statussymbolen…? Das alles macht wahrscheinlich nur noch hungriger! Und dann kommt Jesus und sagt: „Ich bin das Brot des Lebens. Wenn du zu mir kommst, wirst du nie mehr hungern. Und wenn du an mich glaubst, wirst du nie mehr Durst haben.“

Genügend Brot zum Leben - das wünsche ich euch! Seid gesegnet!
Monika



Samstag, 16. September 2023

Hoffnung stirbt zuletzt

Hallo, Ihr Lieben jenseits des Meeres - und auch ihr, hier auf der Insel, in dieser Flaschenpost teile ich mit euch die Morgenandacht am Strand, die heute ausgefallen ist. Es waren einfach zu wenig Menschen da, wir haben statt dessen ein Lied gesungen, ein Gebet gesprochen und sind gesegnet wieder auseinandergegangen. War irgendwie auch schön.
Aber natürlich hatte ich eine Andacht vorbereitet, ein Mitgebsel dazu auch - die leicht überarbeitete Fassung gibt's hier, die komplette Morgenandacht werde ich dann nächste Woche am Strand halten - sofern dann das Wetter noch mitspielt.
Es wird so langsam Herbst -
die Saison ist vorbei, kaum noch
Menschen unterwegs!


Wer hofft, ist seiner Zeit voraus.
Die folgende Geschichte erzählt von Verzweiflung, aber auch von Hoffnung und Vertrauen

Der Zimmermann und der König

von William Saroyen
Einst lebte ein Zimmermann, den eines Abends auf seinem Heimweg ein Freund anhielt und fragte: “Mein Bruder, warum bist du so traurig?”
“Wärst du in meiner Lage, du empfändest wie ich”, sagte der Zimmermann.
“Erkläre dich”, sprach der Freund.
“Bis morgen früh”, sagte der Zimmermann, “muss ich elftausendelfhundertelf Pfund Sägemehl aus Hartholz für den König bereit haben, oder ich werde enthauptet.”
Der Freund lächelte und legte ihm den Arm um die Schulter.
“Mein Freund”, sagte er, “sei leichten Herzens. Lass uns essen und trinken und den morgigen Tag vergessen. Der allmächtige Gott wird, während wir ihm Anbetung zollen, statt unserer des Kommenden eingedenk sein.”
Sie gingen also zum Hause des Zimmermanns, wo sie Weib und Kind in Tränen fanden. Den Tränen ward Einhalt getan durch Essen, Trinken, Reden, Singen, Tanzen und allsonstige Art und Weise von Gottvertrauen und Güte. Inmitten des Gelächters fing des Zimmermanns Weib zu weinen an und sagte: “So sollst du denn, mein lieber Mann, in der Morgenfrühe enthauptet werden, und wir alle vergnügen uns indessen und freuen uns an der Güte des Lebens. So steht es also.”
“Denke an Gott”, sprach der Zimmermann, und der Gottesdienst ging weiter.
Die ganze Nacht hindurch feierten sie.
Als Licht das Dunkel durchdrang und der Tag anbrach, wurde ein jeglicher schweigsam und von Angst und Kummer befallen.

Die Diener des Königs kamen, und klopften sacht an des Zimmermanns Haustür, und der Zimmermann sprach: “Jetzt werde ich sterben”, und öffnete.
“Zimmermann”, sagten sie, “der König ist tot. Mache ihm einen Sarg.”
Da war der Zimmermann in einer ausweglosen Situation – es war klar, dass er die Aufgabe nicht wird bewältigen können.
Im Vertrauen auf Gott feierten sie die ganze Nacht, im Angesicht der Verzweiflung und des Todes.

Das Ende ist überraschend – damit hätte niemand gerechnet.
Am Ende siegen eben nicht die Verzweiflung und der Tod, am Ende passiert, was Gott will.

Ich habe einen Psalm in der Bibel gefunden, der genau diese Grundhaltung betend vor Gott bringt – Psalm 91.

Dieser Psalm erzählt von der Hoffnung auf Gott - die alles durchdringt, was das Leben so bringt. Der Psalmist verneint nicht, dass es Schwierigkeiten geben wird in seinem Lebensweg. Es wird immer wieder Situationen geben, in denen er verzweifeln könnte.

Die Hoffnung stirbt zuletzt - so sagen wir in unserer heutigen Zeit - und machen weiter, auch wenn die Aussicht auf Erfolg gering zu sein scheint.

Ovid sagt: “Es ist die Hoffnung, die den Schiffbrüchigen mitten im Meer veranlasst, mit seinen Armen zu rudern, obwohl kein Land in Sicht ist.”

Das ist für mich wirklich eine hoffnungslose Situation: mitten im Meer schwimmen zu müssen - und mit jeder Sekunde länger im Wasser sinkt die Hoffnung. Und doch werden wir weiter mit den Armen rudern - die Hoffnung stirbt zuletzt. Es könnte ein Wunder geschehen, das mich doch noch rettet.
Mein Mitgebsel von heute Morgen!
Was immer euch bedrückt, euch Sorgen bereitet, euch den Schlaf rauben will: Wir können nicht verhindern, dass die schwarzen Vögel der Sorge um unseren Kopf fliegen - aber wir können verhindern, dass sie Nester bauen!
Dieser Satz wird Martin Luther zugeschrieben.

Seid gesegnet, Ihr Lieben jenseits des Meeres und auch ihr, hier auf der Insel
Monika

Mittwoch, 6. September 2023

Flüüüügel!

Hallo, Ihr Lieben jenseits des Meeres - und auch ihr, hier auf der Insel, in dieser Flaschenpost möchte ich mit euch die Andacht teilen, die wir am Mittwoch in der Gute-Nacht-Kirche gefeiert haben. Es geht um das Gefühl von Freiheit, um Flügel, aber auch um das, was uns erdet und auf dem Boden der Tatsachen festhält.

Martha und Maria

Als Jesus mit seinen Jüngern weiterzog, kam er in ein Dorf. Dort nahm ihn eine Frau als Gast bei sich auf. Ihr Name war Marta. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Die setzte sich zu Füßen des Herrn nieder und hörte ihm zu.

Aber Marta war ganz davon in Anspruch genommen, sie zu bewirten. Schließlich ging sie zu Jesus und sagte: »Herr, macht es dir gar nichts aus, dass meine Schwester mich alles allein machen lässt? Sag ihr doch, dass sie mir helfen soll!« 
Aber der Herr antwortete ihr: »Marta, Marta! Du bist so besorgt und machst dir Gedanken um so vieles. Aber nur eins ist notwendig: Maria hat das Bessere gewählt, das wird ihr niemand mehr wegnehmen.«

Flügel!

RedBull verleiht Flügel! Diesen beflügelnden Werbeslogan kennt ihr bestimmt. Ein verlockendes Angebot, das muss man schon sagen. Denn viele von uns haben große Sehnsucht nach Freiheit, Weite und einfach die Füße in der Luft schweben zu lassen. Einen Moment der Freiheit genießen im Trubel des gestressten Alltags, der durch Verpflichtungen und Terminen vollgepackt ist. Jeder will was von mir und meine To-Do-Liste ist schon wieder zu lang. So wie Martha, in der vorhin gehörten Geschichte, sind wir meist nur am Rotieren und am Arbeiten.
RedBull oder irgendein anderes Energy-Getränk verleiht uns schon mal keine wahren Flügel und hilft uns keinen Moment lang zu schweben- so viel ist klar. Doch was ist es dann? Was verleiht uns Flügel?
Was hält uns fest, was erdet uns?

Alltägliche Anforderungen lassen mich allzu schnell vergessen, dass es etwas anderes geben könnte als Pflichterfüllung und Geldverdienen.
Die ständige Tretmühle des Alltags für eine kurze Zeit zu vergessen, für die Dauer eines Gottesdienstes etwa oder für die Dauer eines Konzertes oder für die Dauer eines Urlaubes, gibt mir Kraft und Auftrieb. Maria tut das in unserer Geschichte: sie setzt sich einfach zu Jesu Füßen und hört zu. Obwohl der Alltag drückt, obwohl es viel zu tun gäbe. Sie tut das nicht immer, aber für dieses Mal macht sie es. Und wird prompt von Martha angefeindet, die sich allein gelassen fühlt mit der vielen Arbeit. Martha fühlt sich dermaßen im Recht, dass sie sich an die höchste verfügbare Autorität wendet, um den Höhenflug, den vermeintlichen Egotrip von Maria zu beenden. Das Erstaunliche und Beruhigende ist, dass Jesus Maria den Rücken stärkt. Sie hat den guten Teil erwählt.
Manchmal brauchen wir eine Auszeit, eine Zeit der Stärkung, bevor wir den Alltag wieder auf unsere Schultern laden können. Ohne den Alltag allerdings würden wir die Auszeiten vermutlich nicht einmal zu schätzen wissen. Wer immer Urlaub hat, wird vermutlich irgendwann Langeweile bekommen. Wenn die ganze Woche aus Wochenenden bestünde, wüssten wir bald mit unserer freien Zeit nichts mehr anzufangen. Das Wochenende ist die willkommene Unterbrechung des Alltags, so wie der Urlaub die willkommene Unterbrechung der Jahresarbeit ist.

Wir können die Höhenflüge nur genießen, wenn wir gleichzeitig geerdet sind.

Ein Flugdrachen ist das perfekte Beispiel für unsere Andacht.
Er hat keine Flügel – so wie wir selbst keine Flügel besitzen, aber ein Flugdrachen hat einen Halt- ja eine Erdung- durch seine Schnur und fliegt doch nur durch die Kraft des Windes.
Der Wind ist etwas, auf das wir keinen Einfluss haben. Wir können uns nicht einfach vornehmen, zu fliegen, ohne den Wind mit einzubeziehen.
Aber um den Drachen erstmal in die Luft zu bekommen, benötigt es meist nicht nur den Wind, sondern auch Menschen, die dem Drachen einen Anstoß geben und diesen durch die verbindende Schnur lenken. Man braucht also einen Impuls, um in die Luft zu kommen und zu fliegen - das kann bei uns ein Anstoß von Freunden oder der Familie sein, aber auch die Natur, Medien, unsere Gefühle, Gott, die Kirche oder auch vielleicht diese Andacht hier in der Flaschenpost, all das kann einen kleinen Impuls geben, um uns wenigstens für kurze Zeit in die hoffentlich windige Luft stoßen. Gebunden durch unsere Ketten der Vergangenheit, der Erfahrung und Pflichten können wir trotzdem im Wind fliegen, ausbalanciert durch den Lenker, der uns festhält, uns durch stürmische Zeiten dirigiert und uns auch aufhebt, wenn wir hart auf den Boden fallen sollten.

Wir können nicht immer den Platz von Maria einnehmen, auch wenn das der bessere Teil des Lebens ist. Wir müssen auch wie Marta arbeiten, um zu leben. Aber ab und zu, hier und da, für einen kleinen Moment dürfen wir zulassen, dass wir frei sind, dass wir fliegen.

Ich finde diese Gedanken wieder in den berühmten Regeln der Gelassenheit, die Papst Johannes XXIII zugeschrieben werden. 
  1. Nur für heute werde ich mich bemühen, einfach den Tag zu erleben – ohne alle Probleme meines Lebens auf einmal lösen zu wollen

  2. Nur für heute werde ich größten Wert auf mein Auftreten legen und vornehm sein in meinem Verhalten: Ich werde niemanden kritisieren; ja ich werde nicht danach streben, die anderen zu korrigieren oder zu verbessern... nur mich selbst.

  3. Nur für heute werde ich in der Gewissheit glücklich sein, dass ich für das Glück geschaffen bin ... nicht nur für die andere, sondern auch für diese Welt.

  4. Nur für heute werde ich mich an die Umstände anpassen, ohne zu verlangen, dass die Umstände sich an meine Wünsche anpassen.

  5. Nur für heute werde ich zehn Minuten meiner Zeit einer guten Lektüre widmen. Wie die Nahrung für das Leben des Leibes notwendig ist, ist die gute Lektüre notwendig für das Leben der Seele

  6. Nur für heute werde ich eine gute Tat vollbringen – und ich werde es niemandem erzählen.

  7. Nur für heute werde ich etwas tun, wozu ich keine Lust habe. Sollte ich mich in meinen Gedanken beleidigt fühlen, werde ich dafür sorgen, dass niemand es merkt.

  8. Nur für heute werde ich ein genaues Programm aufstellen. Vielleicht halte ich mich nicht genau daran, aber ich werde es aufsetzen. Und ich werde mich vor zwei Übeln hüten: vor der Hetze und vor der Unentschlossenheit.

  9. Nur für heute werde ich keine Angst haben. Ganz besonders werde ich keine Angst haben, mich an allem zu freuen, was schön ist. Und ich werde an die Güte glauben.

  10. Nur für heute werde ich fest daran glauben – selbst wenn die Umstände das Gegenteil zeigen sollten –, dass die gütige Vorsehung Gottes sich um mich kümmert, als gäbe es sonst niemanden auf der Welt.
Nimm dir nicht zu viel vor. Es genügt die friedliche, ruhige Suche nach dem Guten an jedem Tag zu jeder Stunde, und ohne Übertreibung und mit Geduld.

Ich finde diese Gelassenheit großartig: ich muss ja nicht ein für allemal entscheiden, ob ich eher Maria oder Marta bin, ich muss ja nicht für alle Zeit in der Rolle festgelegt bleiben. Es darf Zeiten für jedes davon geben - für das Zuhören und auftanken, und für das Tätig sein und Arbeiten.

Das zu wissen, verleiht mir Flüüüüügel - und dafür brauche ich keinen Energie-Drink!

Seid gesegnet an diesem Samstag, ihr Lieben jenseits des Meeres - und auch ihr, hier auf der Insel

Monika


 

Samstag, 2. September 2023

Ein Anker

Hallo, Ihr Lieben jenseits des Meeres - und auch ihr, hier auf der Insel, in dieser Flaschenpost teile ich mit euch ein paar Gedanken aus einer der letzten Morgenandachten - es wurde gewünscht!

Ein Anker ist eins der wichtigsten Ausrüstungsgegenstände auf jedem Schiff. Er sorgt mit seinem Gewicht und seinem Haken dafür, dass das Schiff fest mit dem Meeresboden verbunden wird und nicht abtreiben kann.
Daher ist der Anker für Seefahrer ein Zeichen für Treue und Hoffnung.

Auch wir brauchen Anker für unser Leben. Die Familie, gute Freunde oder auch der Partner können für uns so ein wichtiger Anker sein. Diese Menschen halten uns fest, holen uns auch schon mal auf den Boden der Tatsachen zurück und verankern uns. Sie helfen uns dabei, die täglichen Lebenssituationen zu meistern.

Auch Glaube kann für uns ein fester Anker sein, an dem wir uns festhalten können und der uns den nötigen Halt für unser Leben geben kann.

Woran halte ich mich im Leben fest?

Jeder Mensch braucht einen Anker für sein Leben – aber bestimmt sind unsere verschiedenen Anker auch völlig unterschiedlich.

Mein Anker ist meine Familie, sie hält mich fest, sie gibt mir Sicherheit. Dieser Anker bewahrt mich davor, mich allzu sehr in Fantasien oder Träumen zu verlieren. In Notsituationen kann ich mich auf meinen Familienanker fest verlassen. An diesem Anker halte ich mich fest, er wächst mit mir – seit vielen Jahren.

Was ist wohl dein Anker?
Die Familie, der Glaube an Gott, die Hoffnung oder noch irgendetwas anderes?
Ich lade dich ein, einmal für dich zu überlegen, woran du dich im Leben festhältst und was dir Stabilität und Unterstützung gibt. Was ist dein Anker?
Ja, ich habe sie alle ausgestanzt, immer 3 aufeinander
geklebt und dann den schwarzen/weißen Anker
oben drauf geklebt. 40 Anker! Aber das mache
ich gerne. Die restlichen werde ich in
St. Nicolai-Kirche bringen und dort auf dem Basteltisch
auslegen - man kann sich einen gegen eine Spende mitnehmen.

An dieser Stelle habe ich in der Andacht kleine Pappanker ausgeteilt, dazu ein Bändsel zum Anknüpfen - dieser Pappanker steht für das, was mich hält. Indem wir das Bändsel dran knüpfen, verknüpfen wir uns symbolisch auch selbst mit diesem Anker.

Anker in der Bibel

Es gibt nicht viele Stellen in der Bibel, in der das Wort „Anker“ vorkommt – was natürlich kein Wunder ist, denn das Volk Israel war kein Seefahrer-Volk. Aber eine Stelle habe ich gefunden, im Hebräerbrief, Kapitel 6. In diesem Kapitel werden wir daran erinnert, dass Gottes Zusagen gelten – und das auch, ohne dass er das mit einem Eid bekräftigt.

Wir Menschen untereinander brauchen feste Zusagen, damit wir uns ganz sicher fühlen können. Wir schließen Verträge, wir lassen sie beglaubigen, wir untermauern die Verabredungen und Aussagen mit einem Eid. Es ist, als ob wir in unserem Leben besondere Zusicherungen brauchen, die uns wie ein Anker Halt und Sicherheit geben.
Gott braucht so etwas nicht, sagt der Schreiber des Hebräerbriefes. Gott lügt nicht. Wenn Gott uns etwas zusagt, dann gilt es auch, denn er lügt ja nicht.
Wir können uns fest auf das verlassen, was Gott zugesagt hat.
Der Schreiber des Hebräerbriefes formuliert das so:
Auf Gottes Zusagen ist unbedingt Verlass.
Das soll uns einen starken Ansporn geben, dass wir unsere Zuversicht nicht preisgeben und an der Hoffnung auf die uns zugesagte Erfüllung festhalten. Diese Hoffnung ist für uns wie ein sicherer und fester Anker, der hineinreicht bis ins innerste Heiligtum, in das Allerheiligste hinter dem Vorhang im himmlischen Tempel. Dorthin ist uns Jesus vorausgegangen, um uns den Weg zu bereiten.
Im Allerheiligsten, hinter dem Vorhang, befand sich die Bundeslade. Die Israeliten glaubten, dass dies die Wohnstätte Gottes im Tempel sei. Weil es so heilig war, durften nur wenige Priester dieses Allerheiligste betreten.

So weit, bis ins Allerheiligste, reicht unser Anker der Hoffnung – bis hinein in die Gegenwart Gottes. Daran dürfen wir uns mit unserem Glauben festhalten.

Die Hoffnung auf Gott ist unser fester und sicherer Anker.

Seid gesegnet heute Morgen, ihr Lieben jenseits des Meeres und auch ihr, hier auf der Insel
Monika


Samstag, 26. August 2023

Beschwingt

Hallo, Ihr Lieben jenseits des Meeres - und auch ihr, hier auf der Insel, in dieser Flaschenpost teile ich mit euch die Gedanken, die ich eigentlich heute Morgen in der Morgenandacht am Strand weitergeben wollte. Das Wetter war aber... naja - vermutlich hätten wir die Andacht feiern können, aber ich war feige und wollte nicht riskieren, dass wir nass werden. 

Also, falls Ihr nächste Woche zur Morgenandacht kommen wollt, lest jetzt nicht weiter, denn diese Gedanken werde ich natürlich dann nächste Woche weitergeben.

Samstag, 19. August 2023

Ich packe meinen Koffer...

Hallo, Ihr Lieben jenseits des Meeres - und auch ihr, hier auf der Insel, in dieser Flaschenpost geht es ums Kofferpacken.
Nein, ich selbst will nicht Koffer packen - aber unser Pastor Menke bricht im Moment seine Zelte ab, er packt Kisten - und sortiert aus, was hier bleibt und was er in seinen neuen Lebensbereich mitnimmt.

Ich habe mich gefragt: wie ist das eigentlich mit dem Koffer packen? Was packen wir ein? Schon für eine Urlaubsreise fällt es mir schwer, das Richtige auszuwählen. Ich packe immer viel zu viel ein - die Hälfte von allem nehme ich in der Regel ungebraucht wieder mit nach Hause.
Wie mag es sich anfühlen, wenn man nicht nur einen Koffer packen möchte, sondern einen ganzen Hausstand auflösen muss? Wenn ich schon mal meinen Kleiderschrank ausgemistet habe, dann fielen mir immer etliche Teile in die Finger, die ich vollkommen vergessen hatte - also weg damit. Und prompt haben mir genau diese Kleidungsstücke kurz darauf gefehlt. Hätte ich die doch bloß aufgehoben...

Und wie ist das mit unserem Leben? Was schleppen wir wohl mit uns herum? Was steckt in unserem Lebenskoffer und wir brauchen es eigentlich so gut wie nie? Sorgen, Ängste, Streit...

Ich möchte dazu eine Geschichte mit euch teilen - leider weiß ich keinen Autor dazu. Ich habe sie irgendwo gelesen und in mein Notizbuch übertragen, ohne den Urheber dazu zu schreiben.
Einer macht sich auf zu einer weiten Reise. So manches wird eingepackt und am Vorabend der langen Reise kommen die Freunde und Bekannten, um sich zu verabschieden. Alle wissen: die Reise wird lang und nicht ohne Gefahren sein.
„Hast du auch ein Dieses dabei?“ fragen die einen. „Ohne ein Dieses wirst du nicht durchkommen.“
Der Reisende schüttelt den Kopf. „Ein Dieses habe ich nicht dabei.“
„Hast du ein Jenes dabei?“ fragen andere. „Ohne ein Jenes wirst du nicht durchkommen.
Der Reisende hebt bedauernd die Hände.
„Ein Jenes habe ich nicht dabei.“
„Hast du ein Anderes dabei?“ fragen die Dritten.
„Ohne ein Anderes kannst du die Reise vergessen!“
„Wenn ich nicht“, sagt da der Reisende, „auf meiner Reise an Orte komme, an denen ich mich bergen kann, auf Menschen treffe, die mir freundlich gesonnen sind, in manchen Situationen einfach Glück habe und zu Zeiten genau das Richtige tue oder entscheide, dann kann ich diese Reise gleich lassen.
Aber ich werde zu Zeiten genau das Richtige tun oder entscheiden, ich werde in manchen Situationen einfach Glück haben, ich werde auf Menschen treffen, die mir freundlich gesonnen sind, und ich werde an Orte kommen, an denen ich mich bergen kann.“
Spricht es und tritt die Reise an.

Ich finde, das ist eigentlich eine ganz gute Einstellung zu den Dingen - aber auch zu all den anderen Lasten, die wir durchs Leben schleppen, und die uns hier und da - manchmal mehr, manchmal weniger - das Leben schwer machen.

Kommt her zu mir alle, die ihr mühselig und beladen seid - sagt Jesus zu uns. Ich will euch erquicken.

Erquicken ist ein uraltes Wort, das wir nur noch in diesem Zitat benutzen. Es heißt soviel wie erfrischen, erneuern, neue Kraft geben.

Unser Lebenskoffer darf leicht sein - denn wir tragen ihn ja nicht alleine.

In diesem Sinne: seid gesegnet, ihr Lieben jenseits des Meeres, und auch ihn, hier auf der Insel

Monika

 

Samstag, 12. August 2023

Der Dreiklang des Lebens

Hallo, Ihr Lieben jenseits des Meeres - und auch ihr, hier auf der Insel, in dieser Flaschenpost gibt es ein paar Gedanken über die Harmonielehre...
Nein, keine Angst, es wird nicht musik-theoretisch!

Aber manchmal stolpere ich über einen Bibelvers, der mich dann erstmal nicht mehr loslässt. So ist das mit diesem hier - er wurde gewünscht als Spruch für eine Segnung zum 50. Ehejubiläum. 
Seid fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal und beharrlich im Gebet.
Römer 12, 12
Also habe ich darüber nachgedacht, ein wenig geforscht, ein wenig im Internet gesurft - und hier sind meine Gedanken dazu.

Fröhlich, geduldig und beharrlich – eins geht nicht ohne das andere, alle drei zusammen bilden eine Einheit, ich habe sie den "Dreiklang des Lebens" genannt.

„Seid fröhlich in Hoffnung“

Schauen wir uns doch diesen ersten Ton unseres Lebensakkordes mal genauer an:
Es gibt ja ganz unter­schiedliche Hoffnungen.
Vielleicht hofft ihr, dass diese Flaschenpost jetzt nicht zu langweilig wird.

Vielleicht hofft ihr auf ein schönes freies Wochenende mit gutem Wetter und einem gemütlichen Sonntagsspaziergang.
Vielleicht hofft ihr aber auch auf einen Lottogewinn, oder auf eine gute Diagnose beim Arzt.
Das sind alles schöne berechtigte Hoffnungen.

Aber bei all diesen Hoffnungen bleibt doch immer die bange Frage: werden sich diese Hoffnungen erfüllen, oder kommt es irgendwann doch mal anders? In jede menschliche Hoffnung mischt sich der Zweifel und bringt einen Missklang in unseren Lebensakkord.

Mit der Hoffnung, die hier gemeint ist, steht es anders.
Es ist ja eine gewisse Hoffnung.
Es ist eine Hoffnung, die sich fest auf Gottes Wort und Zusage stützt.

Es ist die gewisse Hoffnung, dass Jesus, der auf­erstandene Herr, uns auf unserem gemeinsamen Weg leitet und begleitet.
Es ist die gewisse Hoffnung, dass unser Weg schließlich in Gottes ewiger Herrlich­keit sein Ziel finden wird.

Diese gewisse Hoffnung, diese göttliche Zusage gilt fest und zuverlässig für uns. Auf der Grundlage dieser gewissen Hoffnung kann unser Lebensakkord fröhlich erklingen – und dann auch durchaus schon mal spannende Töne enthalten.

„Seid also fröhlich in Hoffnung“ – nicht, wenn ihr mal Hoffnung habt, sondern weil ihr stets die Hoffnung der Gottes­kinder habt!

„Seid geduldig in Trübsal“

das ist der zweite Ton des Lebens­akkordes.
Eins ist klar: Trübsal ist ein Freuden­killer.

Auch wenn wir von der göttlichen Hoffnung wissen und aus dieser Hoffnung leben, sind wir nicht immer fröhlich. Manche Ent­täuschung kann uns die Freude trüben. Manches Erlebnis lässt uns zweifeln.

Die meisten von Euch haben in diesen Wochen Urlaub – ihr genießt die Auszeit vom Alltag, die schönste Zeit des Jahres, wie es gerne in der Werbung genannt wird.
Da mag man über Trübsal nicht so gerne nachdenken. Trübsal blasen mag man schon gar nicht.

Aber ihr werdet sie schon erlebt haben: die schwierigeren Phasen im Leben: wenn mal nicht alles glatt verläuft, wenn Krankheiten drohen oder finanzielle Schwierigkeiten das Leben erschweren. Wenn liebe Freunde oder Angehörige auf einmal nicht mehr da sind und wir ohne sie auskommen müssen.

Seid geduldig in Trübsal – das bedeutet: bleibt dran! Bleibt dabei!
Bleibt dran an der Hoffnung, die Gott uns schenkt, und an der Freude, die daraus fließt!
Seid geduldig in dieser Zeit - denn sie wird ja nicht ewig dauern. Am Ende wird alles gut - und wenn es nicht gut ist, dann ist es noch nicht das Ende - so sagt es uns ein "weiser" Postkartenspruch. Aber er ist ja richtig!

So bringt die Trübsal vielleicht ein wenig Moll in den Dreiklang des Lebens – ein wenig Traurigkeit, ein wenig Spannung, aber sie wird die Fröhlichkeit der Hoffnung nicht dauerhaft überdecken.

„Haltet an am Gebet“

das ist der dritte Ton unseres Lebensdreiklangs - und dieser dritte Ton erschließt  sich nicht sofort und überrascht uns vielleicht erstmal.

Fröhlich in Hoffnung, geduldig in Trübsal - das ist eigentlich ganz logisch und klingt ein wenig nach Küchentisch-Psychologie.

Aber das Gebet ist der Schlüssel dazu, dass aus dem Akkord des Lebens ein voller Dreiklang wird – ein runder schöner Akkord. Hoffnung und Trübsal – diese beiden bringt das Leben quasi automatisch. Gute Zeiten, schlechte Zeiten – sie wechseln sich ab, es geht immer auf und ab im Leben.
Aber das Gebet kann diese Berg- und Talfahrt des Lebens abrunden und den Klang der Ewigkeit in das Leben bringen. Gott ist ja da – das hat er zugesagt. An allen Tagen, bis zum Ende. Im Gebet können wir das erfahren und erleben.

Zur Freude kann sich niemand zwingen. Hoffnung kann man sich kaum einreden. Geduld in Trübsal kommt nicht von allein. So bleiben diese beiden Ratschläge zur Freude und zur Geduld nichts weiter als gute Worte, die im Ernstfall vermutlich nicht wirklich weiterhelfen, sondern eher in Frage stellen.

Aber Gott kann und will das alles schenken – denen, die ihn darum bitten. So wird der Dreiklang unseres Lebens erst voll und schön erklingen, wenn wir die Ewigkeit mit hineinnehmen, im Gebet und in der Beharrlichkeit des Gebetes.

Wenn man es genau nimmt, ist es ja ein doppelter Dreiklang – einerseits aus Hoffnung, Trübsal und Gebet und andererseits aus Fröhlichkeit, Geduld und Beharrlichkeit. Je nach Lebensphase wird mal der eine und mal der andere Ton der Grundton sein – aber die anderen schwingen mit! Auch in trübseligen Zeiten klingt die Fröhlichkeit der Hoffnung mit. Und auch in den fröhlichen Momenten schwingt in uns die Frage nach der Dauer, der Ewigkeit mit.

Und ihr? Aus welchen Tönen setzt sich euer Dreiklang des Lebens zusammen?

Seid lieb gegrüßt von der schönsten Insel der Welt!
Monika