Herzlich Willkommen auf meinem Blog

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Mittelbrücke auf Föhr - seit 2023 ist sie leider Geschichte

Donnerstag, 20. Februar 2025

Ein rotes Seil...

Hallo, Ihr Lieben jenseits des Meeres - und auch ihr, hier auf der Insel, in dieser Flaschenpost möchte ich mit euch ein paar Gedanken teilen, die mir während meiner Vorbereitungen auf diverse Andachten oder pädagogische Angebote in unserer Gemeinde gekommen sind.
Ich bin nämlich auf eine Geschichte gestoßen, die ich vermutlich schon mal gelesen hatte (ich habe die Bibel mindestens einmal komplett gelesen), aber ich  hatte diese Geschichte nicht mehr parat. 
Kennt ihr die Geschichte von Rahab?
Hier kommt der Bibeltext dazu:

Josua 2, 1-24:

Josua aber, der Sohn Nuns, sandte von Schiittim zwei Männer heimlich als Kundschafter aus und sagte ihnen: Geht hin, seht das Land an, auch Jericho.

Sie gingen hin und kamen in das Haus einer Hure, die hieß Rahab, und kehrten dort ein. Da wurde dem König von Jericho angesagt: Siehe, es sind in dieser Nacht Männer von den Israeliten hereingekommen, um das Land zu erkunden. Da sandte der König von Jericho zu Rahab und ließ ihr sagen: Gib die Männer heraus, die zu dir in dein Haus gekommen sind, um das ganze Land zu erkunden. Aber die Frau nahm die beiden Männer und verbarg sie. Und sie sprach: Ja, es sind Männer zu mir hereingekommen, aber ich wusste nicht, woher sie waren. Und als man das Stadttor schließen wollte, da es finster wurde, gingen die Männer hinaus, und ich weiß nicht, wo sie hingegangen sind. Jagt ihnen eilends nach, dann werdet ihr sie ergreifen. Sie aber hatte sie auf das Dach steigen lasen und unter den Flachsstängeln versteckt, die sie auf dem Dach ausgebreitet hatte. Die Verfolger aber jagten ihnen nach auf dem Wege zum Jordan bis an die Fruten, und man schloss das Tor zu, als sie draußen waren.

Und ehe die Männer sich schlafen legten, stieg Rahab zu ihnen hinauf auf das Dach und sprach zu ihnen: Ich weiß, dass der Herr euch das Land gegeben hat; denn ein Schrecken vor euch ist über uns gefallen, und alle Bewohner des Landes sind vor euch feige geworden. Denn wir haben gehört, wie der Herr das Wasser im Schilfmeer ausgetrocknet hat vor euch her, als ihr aus Ägypten zogt, und was ihr den beiden Königen der Amoriter, Sihon und Og, jenseits des Jordans getan gabt, wie ihr an ihnen den Bann vollstreckt habt. Und seitdem wir das gehört haben, ist unser Herz verzagt und es wagt keiner mehr, vor euch zu atmen; denn der Herr, euer Gott, ist Gott oben im Himmel und unten auf der Erde. So schwört mir nun bei dem Herrn, weil ich an euch Barmherzigkeit getan habe, dass auch ihr an meines Vaters Hause Barmherzigkeit tut, und gebt mir ein Zeichen, dass ihr leben lasst meinen Vater, meine Mutter, meiner Brüder und Schwestern und alles, was sie haben, und uns vom Tode errettet.

Die Männer sprachen zu ihr: Tun wir nicht Barmherzigkeit und Treue an dir, wenn uns der Herr das Land gibt, so wollen wir selbst des Todes sein, sofern du unsere Sache nicht verrätst.

Da ließ Rahab sie an einem Seil durchs Fenster hinab; denn ihr Haus war an der Stadtmauer, und sie wohnte an der Mauer.

Und sie sprach zu ihnen: Geht auf das Gebirge, dass eure Verfolger euch nicht begegnen, und verbergt euch dort drei Tage, bis zurückkommen, die euch nachjagen; danach geht eures Weges. Die Männer aber sprachen zu ihr: So wollen wir den Eid einlösen, den du uns hast schwören lassen: Wenn wir ins Land kommen, so sollst du dies rote Seil in das Fenster knüpfen, durch das du uns herabgelassen hast, und zu dir ins Haus versammeln deinen Vater, deine Mutter, deine Brüder und deines Vaters ganzes Haus. So soll es sein: Wer zur Tür deines Hauses herausgeht, dessen Blut komme über sein Haupt, aber wir seien unschuldig; doch das Blut aller, die in deinem Hause bleiben, soll über unser Haupt kommen, wenn Hand an sie gelegt wird. Und wenn du etwas von dieser unserer Sache verrätst, so sind wir frei von dem Eid, den du uns hast schwören lassen.

Sie sprach: Es sei, wie ihr sagt! Und ließ sie gehen. Und sie gingen weg.

Und sie knüpfte das rote Seil ins Fenster.

Sie gingen aber weg und kamen aufs Gebirge und blieben drei Tage dort, bis die zurückgekommen waren, die ihnen nachjagten. Denn sie hatten sie gesucht auf allen Straßen und doch nicht gefunden. Da kehrten die beiden Männer um und gingen vom Gebirge herab und setzten über und kamen zu Josua, dem Sohn Nuns, und erzählten ihm alles, was ihnen begegnet war, und sprachen zu Josua: Der Herr hat uns das ganze Land in unsere Hände gegeben, und es sind auch alle Bewohner des Landes vor uns feige geworden.

 Irgendwie hat mich diese Geschichte dann nicht mehr losgelassen. Und dann hab ich mich einfach mal an den Computer gesetzt und meine Gedanken dazu aufgeschrieben:

Die Geschichte wirft Fragen auf.

Wir könnten sie einseitig aus der Perspektive des Volkes Israel betrachten – dann wird Rahab zur Heldin, die dem Volk Gottes geholfen hat, und dafür im Gegenzug für sich und ihre Familie Schutz erhält.

Mit dem Verstecken der beiden Spione bezieht Rahab Stellung für die beiden Fremden – und verteidigt und rettet sie. Das ist heldenhaft!

Aber ganz so einfach ist es ja nicht: denn erstens wird Rahab dadurch zu einer Verräterin an ihrem eigenen Volk – das zieht weitere Lügen und Betrügereien nach sich: Sie muss die Soldaten des eigenen Königs anlügen und sie auf eine falsche Fährte schicken.

Irgendwie fühlt sich dieses Verhalten „unmoralisch“ an. Rahab wirkt dann gar nicht mehr so heldenhaft und strahlend, sondern eher fragwürdig und moralisch verwerflich.

Und zweitens: die Eroberung von Jericho ist blutig und grausam, ein Krieg, ein Eroberungskrieg, wie wir ihn momentan ganz nah bei uns erleben. Russland überfällt die Ukraine, Israel vernichtet Palästina, der amerikanische Präsident sucht einseitig nur das Wohl der reichen weißen Männer in seinem Land.

Wie kann man sich jemanden als Vorbild aussuchen, der genau dieses unterstützt? Und wie können wir dieses Volk, das als Gottes Volk bezeichnet wird, als Vorbild nehmen, mit dieser kriegerischen grausamen Vorgehensweise?

Auf diese Frage weiß ich keine Antwort. Lediglich kann man festhalten, dass aufgrund der archäologischen Funde nicht bestätigt werden kann, dass die Übernahme von Kanaan durch das Volk Israel so blutig und kriegerisch erfolgte, wie sie in der Bibel berichtet wird. Es scheint eher eine Art schleichender Prozess gewesen zu sein, ein Hereintröpfeln in das Land, eine Art kultureller Revolution.

So oder so: das Handeln der Rahab ist nicht wirklich „kriegsentscheidend“. Das Volk Israel wäre auch ohne Rahabs Hilfe ins Land gezogen. Allerdings: die Kundschafter wären dann vermutlich zum Tode verurteilt worden. Für die beiden macht es also einen großen Unterschied, wie sich Rahab verhält.

Rahab nimmt also die beiden Spione auf – vielleicht, weil sie jeden Mann, der zu ihr kommt, erstmal aufnimmt? Weil sie kundenorientiert lebt und denkt?

Oder weil sie sich schon gleich einen Vorteil erhofft, wenn sie Männer aus dem „feindlichen“ und übermächtigen Volk Israel aufnimmt?

Oder weil sie einfach human denkt und handelt?

Weil man die Fremden freundlich empfängt und ihnen hilft?

Wir wissen ihre Beweggründe nicht. Aber eins steht fest: Handeln oder auch Nicht-Handeln zieht immer Konsequenzen nach sich: Rahab hat die Kundschafter gerettet, dabei ihr eigenes Volk verraten und doch gewonnen: denn von allen Bewohnern Jerichos wird sie mit ihrer Familie die einzige Überlebende sein.

Ihre eigene Begründung für ihr Handeln wird uns berichtet: Sie hat schon viel über das Volk Israel gehört, und über dessen Gott. Sei weiß: gegen diese Übermacht hat sie keine Chance.

Im Hebräerbrief wird dies als „Glauben“ interpretiert: Durch den Glauben kam die Hure Rahab nicht mit den Ungehorsamen um, weil sie die Kundschafter in Frieden aufgenommen hatte. (Hebr. 11.31)

Bei Jakobus allerdings wird dasselbe Handeln als „Werke“ interpretiert:

„Desgleichen die Hure Rahab: Ist sie nicht durch Werke gerecht geworden, als sie die Boten aufnahm und sie auf einem anderen Weg hinausließ?“ (Jak. 2, 25)

Rahab hat gehandelt – sie hat nicht einfach die Hände in den Schoß gelegt und gewartet. Die Folgen ihres Handelns sind einerseits unmittelbar für sie und ihre Familie sichtbar, andererseits aber auch für die Heilsgeschichte wichtig, für die Geschichte Gottes mit der Menschheit:

Die unmittelbaren Folgen ihres Handelns habe ich schon berichtet: sie und ihre Familie sind die einzigen Überlebenden des Überfalls auf Jericho.

Was wir aber leicht vergessen, weil es nur ganz versteckt in der Bibel erwähnt wird: Rahab wird als eine Ur-ur-ur-… (30mal) Großmutter Jesu erwähnt. Oder umgekehrt: Ohne Rahab wäre Jesus nicht so auf die Welt gekommen.

An Rahab können wir erkennen, dass Gott jeden Menschen annimmt, wie unpassend er oder sie auch erscheinen mag. (eine Hure, eine Frau, von einem fremden Volk…)

Für diese Annahme eines jeden einzelnen sprengt er Grenzen: die Grenzen zwischen den Völkern, aber auch durchaus sein eigenes Wort. Er hatte eigentlich jede Art von Vermischung mit den Menschen, die in Kanaan lebten, untersagt. Hier aber macht er eine Ausnahme – warum, das können wir nicht sagen. Das ist eins der Geheimnisse, die wir nicht aufklären werden. Aber er tut es. Er tut es immer wieder, denn wir finden in der Bibel sowohl im Alten wie im Neuen Testament Geschichten über Fremde, Angehörige anderer Völker, die Gottes Gnade erlebten.

Gott hat eine Zukunft für jeden und jede, eine Zukunft, eine Aufgabe, von der wir nicht wissen, wofür sie einmal gut sein wird. Rahabs Aufgabe war neben der unmittelbaren Rettung von zwei israelitischen Männern auch die, eine Urahnin von Jesus Christus zu sein.

Ein anderes, was wir lernen, am Beispiel Rahabs: Es gibt keinen unverrückbaren „Status quo“. Die Menschen in Jericho hatten sich eigentlich ganz gut eingerichtet – ankommende Fremde waren weder erwünscht, noch willkommen.
Aber jetzt kommen die Fremden und erobern das Land. Alles wird sich verändern – das macht Angst. Den Status quo beizubehalten wäre leichter und irgendwie bequemer. Mit jedem Fremden, der in die Stadt kommt, werden sich kulturelle Gegebenheit ändern: die Fremden sprechen eine andere Sprache, das wird sich im Austausch mit diesen Fremden auf die eigene Sprache auswirken. Die Fremden bringen ihren eigenen Glauben mit, ihre eigene Religiosität, aber auch ihr eigenes Moral-Empfinden, ihre eigene Vorstellung über richtig und falsch oder über das, was als „schön“ gilt.

Mit jedem Fremden, der in die Stadt kommt, und bleiben will, kommt die Unsicherheit, wird das Althergebrachte in Frage gestellt, wird der eigene Lebensstil auf die Probe gestellt, wird der kulturelle Boden, auf dem wir stehen, wankend und unsicher.

In all dem hat Rahab das rote Seil, das sie sichtbar an ihr Fenster knüpft. Für sie ist das ihre Rettungsleine im Chaos der Überfremdung, ein Ankerseil, das sie und ihre Familie absichert: Was auch geschehen wird: Gott ist auf ihrer Seite!

Mögen auch wir alle solch ein rotes Seil im Herzen haben, an dem wir uns festhalten können, wenn die Welt um uns herum ins Wanken gerät!

Das wünscht


Monika



Donnerstag, 19. September 2024

Der Weg der Schnecke

Hallo, Ihr Lieben diesseits des Meeres - und auch ihr, auf der Insel Föhr, in dieser Flaschenpost möchte ich einen Gedanken aus meinem Sabbatical mit euch teilen.
Ja, ich bin derzeit nicht auf Föhr, sondern irgendwo im Nirgendwo, in der Nähe von Plön. Hier habe ich eine kleine Hütte bezogen: ohne Heizung, ohne fließendes Wasser, aber trotzdem sehr gemütlich. Bevor ihr euch Sorgen um meine Gesundheit macht: es gibt im Haupthaus die Möglichkeit zum Duschen, dort kann ich auch die Küche mitbenutzen. Und wenn es sehr kalt wird, gibt es ein Gasöfchen - aber das brauche ich noch nicht. Noch reichen Wollsocken und Strickjacken.

Ich bin ohne Verkehrsmittel hier - mit anderen Worten: Fortbewegung nur zu Fuß oder mit Öffis.
Aber das ist genau das, was ich wollte: mal ausprobieren, was ich alles brauche und worauf ich eigentlich verzichten könnte (das heißt nicht, dass ich das tun werde - aber zu wissen, was man wirklich braucht, ist doch eine gute Kenntnis von sich selbst, oder?).

Soweit die Vorreden. Heute morgen auf meinem Spaziergang fand ich diese Schnecke:

Da kriecht sie friedlich über die Straße. Aber seht ihr die Spur, die sie hinterlässt? Man sieht genau, dass die Eichel eigentlich im Weg lag. Die Schnecke hat sich drum herum gewunden und auf der anderen Seite ihren Weg schnurstracks weiter genommen. 
Da war die Eichel im Weg - und sie hat sich nicht aus der Spur bringen lassen. Sie hätte ja auch einfach nach rechts abbiegen können, aber nein, sie findet ihren Weg zurück in die ursprüngliche Richtung.
Mich beeindruckt das. Und stellt mich in Frage: wie viele Eicheln lagen mir schon im Weg, und ich bin ausgewichen und von meiner eigentlichen Richtung abgekommen? Die Schnecke geht - kriecht - einfach weiter. Irgend ein Ziel hat sie im Sinn, und kein Hindernis darf sie ablenken. 
Auf meinem weiteren Spaziergang musste ich immer wieder an das Gedicht von der Bärenraupe denken, kennt ihr das? Es ist von Rudolf Otto Wiemer

Die Chance der Bärenraupe, über die Strasse zu kommen?

Keine Chance.
Sechs Meter Asphalt.
Zwanzig Autos in einer Minute.
Fünf Laster, ein Schlepper, ein Pferdefuhrwerk.
Die Bärenraupe weiß nichts von Autos.
Sie weiß nicht, wie breit der Asphalt ist.
Weiß nichts von Fußgängern, Radfahrern, Mopeds.
Die Bärenraupe weiß nur, dass jenseits Grün wächst.
Herrliches Grün, vermutlich fressbar.
Sie hat Lust auf Grün. Man müsste hinüber.
Keine Chance. Sechs Meter Asphalt..
Sie geht los. Geht los auf Stummelfüßen.
Zwanzig Autos in der Minute.
Geht los ohne Hast. Ohne Furcht. Ohne Taktik.
Fünf Laster. Ein Schlepper. Ein Pferdefuhrwerk.
Geht los und geht und geht und geht und kommt an.

Gelassen weiter, egal wie die Chancen stehen. Ein heimliches Ziel verfolgen. Und nicht zuviel nach Hindernissen und Beängstigendem gucken.

Ganz liebe Grüße aus dem selbstgewählten "Exil"
Monika

Montag, 29. Juli 2024

Eine salzige Woche...

Hallo, Ihr Lieben jenseits des Meeres - und auch ihr, hier auf der Insel, in dieser Flaschenpost mache ich mir ein paar Gedanken über Salz.
Eigentlich ist das ja ein bekannter Text: Ihr seid das Salz der Erde, ihr seid das Licht der Welt.
Jesus sagt das zu seinen Jüngern und zu uns - im Matthäusevangelium, Math 5, 13-16.
Vor zwei Wochen war dieser Text das Evangelium im Gottesdienst - es hat mich so angesprochen, dass ich in der folgenden Woche gleich zwei Andachten zu diesem Thema gehalten habe. Nun möchte ich ein paar der Gedanken auch mit euch teilen.
Eine Prise Salz zum Mitnehmen


Was heißt das denn - Salz der Erde zu sein?
Zu aller erst denke ich an Würze, wenn ich an Salz denke. Kein Essen kommt ganz ohne Salz aus - selbst eine Tasse Kaffee erhält durch eine winzige Prise Salz im Kaffeepulver einen weicheren, schöneren Geschmack. Nudeln, die nicht im Salzwasser gegart wurden, schmecken... eigentlich eklig.
Auf der anderen Seite: zu viel Salz macht ein Essen auch ungenießbar, abgesehen davon, dass zu viel Salz auch schwerwiegende Krankheiten verursacht.
Mit anderen Worten: wir sind das Salz in der Weltensuppe! Jede und jeder von uns sorgt für angenehme Würze im Leben, in der Welt. Auch wenn es nur wenig ist, was wir beisteuern können: es braucht ja auch nicht viel, um eine Suppe zu würzen.
Trotzdem muss ich auch hier auf das richtige Maß achten: so wichtig wie jede und jeder einzelne auch ist - zu viel "Ich" tut der Gemeinschaft nicht gut.

Aber Salz kann ja noch so viel mehr!
Salz bringt Eis zum Schmelzen - auch im Miteinander!
Salz trägt als Salzwasser, z.B. im Toten Meer. Wir tragen und ertragen einander.
Salz reinigt, z.B. die Haut als Salzpeeling, aber man kann mit Salz auch angebrannte Töpfe und Pfannen blank schrubben. So können auch wir die Atmosphäre in unserer Umgebung reinigen.
Salz konserviert - wir alle kennen eingesalzene Gurken oder eingesalzene Heringe. Leicht verderbliche Lebensmittel können durch Salz haltbar gemacht werden. Wie steht das denn mit unseren Beziehungen? Tun wir etwas, um diese zu konservieren, zu erhalten, trotz vielleicht unterschiedlicher Meinungen und Ansichten?

Ein letztes will ich noch mit euch teilen - eigentlich für mich die wichtigste Erkenntnis aus dieser intensiven Beschäftigung mit dem Thema: 
Angesichts all der vielen Aufgaben und Fähigkeiten, die das Salz mit sich bringt, könnte ich an mir verzweifeln. Ich kann die Welt nicht besser machen - ich bin nur eine einzelne Person mit nur zwei Händen und nur einem Kopf. Irgendwann sind all meine Kapazitäten aufgebraucht.
Aber: habt ihr schon mal versucht, ein einzelnes Salzkorn aus dem Salzstreuer oder der Packung zu greifen? Das geht nicht! Wir greifen immer mehrere Salzkörner, eine kleine Prise. Ein einzelnes Salzkorn würde keine Suppe würzen - eine ganze Prise schon!
So sind auch wir in unserer Bestimmung nicht "Einzelkämpfer" - erst mit vielen zusammen können wir wirksam sein!

Ihr seid das Salz der Erde – sagt Jesus.
Ihr seid Würze, reinigende und bewahrende Kraft, ihr bringt zum Schmelzen, was erstarrt ist.

Ihr seid das Salz der Erde – wir sind Gott so lieb wie das Salz. Wir sind ihm die feine Würze im manchmal faden Alltag der Menschheitsgeschichte. Durch uns leuchtet die Liebe Christi und würzt unauffällig, aber zuverlässig.

Ich habe in meinen Andachten noch die Geschichte von der Salzprinzessin erzählt - für diese Flaschenpost wäre das zu lang, aber wenn ihr mal Zeit findet, um ein Märchen zu lesen: hier ist die lange Originalfassung.

Wir sind Salz der Erde - also lasst uns würzig und scharf, geschmackvoll und wohl dosiert sein!
Gott segne euch!
Monika

Montag, 10. Juni 2024

1000 Kraniche - und die Frage nach den Wünschen...

Hallo, Ihr Lieben jenseits des Meeres - und auch ihr, hier auf der Insel, in dieser Flaschenpost greife ich einen Gedanken auf, der mich seit Beginn der Corona-Pandemie begleitet. Damals habe ich euch gezeigt, wie man einen Kranich faltet. Hier könnt ihr das nachlesen.

Damals ging es mir eher um das Falten, aber heute geht es mir mehr um das, was dieser Kranich symbolisiert.

Falte 1000 Kraniche – und du hast einen Wunsch frei!

So lautet die alte japanische Legende, die ich damals schon kurz angedeutet hatte.

Wenn es doch so einfach wäre! Einen Kranich zu falten, das dauert ungefähr 10 Minuten – nach etwas Übung auch weniger. 1000 Kraniche zu falten, das würde dann etwa 10.000 Minuten dauern, oder ca. 166 Stunden. Oder auch ungefähr 7 Tage. Eine Woche ununterbrochen Kraniche falten, um einen Wunsch zu äußern. Ganz ehrlich: wenn das funktionieren würde, dann würde ich mich dran machen. Was würde ich mir wünschen?

Vor allem würde ich mir Frieden in der Welt wünschen. Im Kleinen unter Nachbarn und in der Familie, aber vor allem auch im Großen. Die Kriege in der Ukraine und im Gazastreifen sind schrecklich, die Handelskriege zwischen den großen Nationen der Welt sind nicht weniger schrecklich.

Wenn es lediglich 1000 Papierkraniche bräuchte, um das zu beenden – ich würde sofort mit dem Falten anfangen.

Ich möchte euch die Geschichte von Sadako aus Japan erzählen – vielleicht habt ihr diese Geschichte schon gehört. Es ist eine traurige, aber gleichzeitig auch eine mutmachende Geschichte.

Sadako war etwa 2 Jahre alt, als über ihrer Heimatstadt Hiroshima die erste Atombombe abgeworfen wurde. Zunächst sah es so aus, als hätte sie dieses Unglück unbeschadet überstanden – aber als sie 12 Jahre alt war, erkrankte sie schwer an Leukämie, der sogenannten Strahlenkrankheit.

Da begann sie, Kraniche zu falten. Sadako faltete aus winzig kleinem Papier – aus den Beipackzetteln ihrer Medikamente - 1000 Kraniche. Es schien ihr zunächst schon sehr viel besser zu gehen. Das gab Sadako Hoffnung und sie versuchte weitere 1000 Kraniche zu falten.

Aber irgendwann merkte sie, dass sie sich von den Folgen der Radioaktivität nicht erholen würde, und sie änderte ihren Wunsch. Stattdessen betete sie für Frieden zwischen den Ländern dieser Welt. Mit jedem Kranich, den sie faltete, flüsterte sie: „Ich werde Frieden auf deine Flügel schreiben und du wirst in alle Welt fliegen.“

Sie hatte 644 Kraniche gefaltet, als sie starb.
Dennoch ist ihr Leben nicht vergessen – denn seitdem gelten in Japan und in der Welt die Origami-Kraniche nicht nur als Wunscherfüller, sondern auch als Zeichen des Friedens.

Vielleicht ist die Vorstellung naiv, dass lediglich 1000 Papierkraniche für den Frieden genügen. Wir wissen ja, dass es so einfach nicht ist.

Aber die Geschichte von Sadako zeigt uns auch, dass hinter den 1000 Kranichen mehr steckt als das Produkt. Es geht gar nicht um die 1000 gefalteten Papierstückchen. Es geht um den Vorgang des Faltens.

Beim Falten sind die Finger beschäftigt, die Gedanken konzentrieren sich auf den nächsten Knick – es ist einfach meditativ. So gesehen kann das Falten von Kranichen dabei helfen, den Alltag mit seinen schrecklichen Nachrichten und seinen drängenden Sorgen für eine kleine Zeit zu vergessen. Gedanken und Gefühle können sich dabei auf Gott fokussieren – das ist für mich ein Gebet!

Nein, Gott lässt sich nicht durch die Anzahl von gefalteten Kranichen zu irgendetwas „zwingen“ – nicht umsonst heißt eine der Bitten im Vaterunser: Dein Wille geschehe. Aber ab und zu mal innehalten und ein Gebet sprechen oder denken – einfach mal Kontakt zu Gott aufnehmen – das kann ja nicht verkehrt sein.

Und wenn ein Papierkranich dabei hilft – warum eigentlich nicht?

Wenn du 1000 Kraniche gefaltet hast, erfüllen die Götter dir einen Wunsch – ich komme noch einmal auf diese Legende zurück.

Wenn ich 1000mal beim Falten um dasselbe gebetet habe – 1000 Mal um Frieden gebetet, 1000 Mal darum, dass Gottes Wille geschehe, dann hat dieses Gebet 1000 Mal meine Seele berührt. Wenn es auch nicht Gott zu irgendetwas „zwingen“ kann – es wird auf jeden Fall mich selbst verändern. Vermutlich ist es mir nach dem 1000. Kranich dann egal, ob mein Wunsch erfüllt wird, denn ich habe mich eingefunden in Gottes Gegenwart und Liebe.

Das geht mit Kranich falten – und auch ohne!

Ich fordere euch jetzt nicht auf, einen Kranich zu falten – das würde den Rahmen dieser Flaschenpost definitiv sprengen und ist ja auch irgendwie nicht Teil unserer deutsch-nüchternen Kultur. Aber trotzdem: mit oder ohne Papierkranich: was wäre denn der eine große Wunsch, das eine große Gebet, dass du vor Gott bringen möchtest? Worum würdest du bitten, wenn...

Und falls du doch noch mal einen Kranich falten willst - die Anleitung findest du in meiner alten Flaschenpost von 2019!

Seid herzlich gegrüßt von 


Monika

Montag, 13. Mai 2024

Glück oder Unglück

Hallo, Ihr Lieben jenseits des Meeres - und auch ihr, hier auf der Insel, in dieser Flaschenpost melde ich mich nach einer langen Blog-Abstinenz zurück. Ob ich in der Zukunft weiter so regelmäßig wie in den letzten Jahren Posts verfassen kann, das kann ich noch nicht abschätzen - aber wer kann schon in die Zukunft gucken...
Wie dem auch sei, in dieser Flaschenpost möchte ich mit euch meine Predigt vom letzten Sonntag teilen. Das war der Sonntag Exaudi, am 12. Mai. Das ist der Sonntag zwischen Himmelfahrt und Pfingsten.
Ein Bild vom Altar in St. Nicolai.
Dargestellt ist Christi Himmelfahrt - wenn ihr
genau hinschaut, dann erkennt ihr die Fußabdrücke
an der Stelle, wo Jesus gestanden hat, als er in den
Himmel entschwand. 
Irgendwie rührend, diese barocke Darstellung.

Hier nun ohne weitere Anmerkungen meine Predigt:

Predigt:

Samstag, 13. Januar 2024

Freie Auswahl!

Hallo, Ihr Lieben jenseits des Meeres - und auch ihr, hier auf der Insel, in dieser Flaschenpost denke ich nach über die berühmte gute Fee mit ihren drei freien Wünschen.

Was wünschst du dir, wenn du wirklich freie Auswahl hast? Die gute Fee steht vor dir und fuchtelt ein wenig mit ihrem Feenstab herum - vermutlich glitzert es ein bisschen, Feenstaub wirbelt durch die Luft und fängt deinen Blick auf. Du hast einen, meinetwegen auch drei Wünsche frei. Wofür entscheidest du dich?

Ehrlich, diese Frage ist nicht leicht zu beantworten. Das will gut überlegt sein. Worauf kommt es mir eigentlich wirklich an, so sehr, dass ich alles andere dahinter einordnen kann?
Gesundheit? - ja, sicher, aber doch nicht nur für mich, auch für meine Familie.
Glück? - ja, auch, aber das ist ja so schwer zu fassen. Was ist denn Glück?
Frieden? - ja, bestimmt, aber auch Frieden ist ein großer Wunsch, der nicht zu fassen ist. Nicht Frieden um jeden Preis, wenn ich dafür die Freiheit aufgeben muss, dann nicht. Wenn ich für den Frieden alles mit mir machen lassen muss, dann verzichte ich auf den Frieden. Wenn es Frieden nur gibt, indem andere unterdrückt werden, dann ist das falsch.

Also: Gesundheit, Glück und Frieden wären nicht meine drei ersten Wünsche. Aber was dann?

Ich habe in der Bibel eine Geschichte gefunden, die ich völlig vergessen hatte. Ich kenne sie eigentlich aus meiner Grundschulzeit. Damals hatten wir eine Katechetin, sie kam immer einmal in der Woche in unsere Klasse und hat uns aus der Bibel erzählt, unter anderem tatsächlich auch diese Geschichte aus dem Alten Testament:
König David war gestorben, es sollte nun Salomo sein Nachfolger werden. Was zunächst wie ein wahrgewordener Traum klingt, wird für Salomo in Gedanken eher zum Alptraum: wie soll er mit der Macht über ein solches Königreich umgehen? Wie soll er ein würdiger Nachfolger seines Vaters werden? David gilt ja bis heute als einer der wichtigsten und größten Könige Israels. Die Fußspuren sind groß, wie soll Salomo als junger Mann diese ausfüllen?
Ich kann mir gut vorstellen, dass ihm die Vorstellung von der riesigen Verantwortung, die ihm auferlegt wird, Kopfschmerzen und schlaflose Nächte bereitet.
Es erscheint ihm nicht die gute Fee, sondern Gott spricht zu ihm im Traum: Bitte, was ich dir geben soll! (1. Könige 3, 5). Mit anderen Worten: Salomo, du hast einen Wunsch frei - was wählst du?
Und Salomo bittet - für mich völlig überraschend - nicht um Sicherheit, um Glück oder um Frieden. Er bittet um ein "hörendes Herz" - Luther übersetzt hier ein gehorsames Herz.

Ein Herz mit Ohren, das gibt es eigentlich nicht. Wir hören ja mit den Ohren, nicht mit dem Herzen. Dennoch: wer mit dem Herzen hört, der hört auch das Unausgesprochene, der hört, was sich hinter den vordergründigen Worten verbirgt. Wer ein hörendes Herz hat, der kann erspüren, wo der andere in Not ist. Dass Luther das mit "gehorsam" übersetzt, bringt hören und tun zusammen, denn aus dem hören, dem Horchen folgt dann das Tun, das Ge-Horchen.

Man sieht nur mit dem Herzen gut - diesen Satz kennen wir alle aus der Geschichte vom Kleinen Prinzen. Man hört aber eben auch nur mit dem Herzen gut - das habe ich heute verstanden.

Du hast einen Wunsch frei - Salomo wünscht sich ein hörendes Herz - und sein Wunsch wird erfüllt. Salomos Weisheit ist sprichwörtlich geworden, das salomonische Urteil gilt bis heute als besonders ausgewogen und irgendwie richtig.

Was wünscht ihr euch, wenn ihr freie Auswahl habt?
Seid gesegnet, das wünscht euch
Monika


Montag, 1. Januar 2024

Vertrauen?

Hallo, Ihr Lieben jenseits des Meeres - und auch ihr, hier auf der Insel, in dieser Flaschenpost teile ich euch meine Gedanken zum Jahresmotto unseres Kirchenkreises:

Dazu habe ich für den Neujahrsgottesdienst eine Predigt geschrieben:

Wir feiern Neujahr – mitten in der letzten Nacht ist das alte Jahr zu Ende gegangen, vor uns liegt ein neues Jahr – zwölf neue Monate, die darauf warten, von uns gelebt zu werden.

Wir wissen nicht, was uns erwartet. Wie wissen nicht, was kommen wird. Natürlich machen wir Pläne, oder haben sie schon gemacht: wir planen, wann wir Urlaub nehmen, welches Urlaubsziel wir anvisieren, wir planen, welche Besuche oder größeren Feste in diesem Jahr anstehen werden.

All das haben wir vermutlich schon längst geplant, die neuen Kalender mit den leeren Seiten gibt es schon seit ungefähr Mitte September zu kaufen, damit wir in unserer Geschäftigkeit auch nicht einen einzigen Moment unterbrochen werden müssen.

Heute nun ist dieser eine besondere Tag, heute beginnt das neue Jahr. Und auch, wenn es vermutlich schon ziemlich weit verplant ist – dies ist der Moment, in dem wir uns auf dieses neue Jahr einstellen und vorbereiten können.

Was wird das neue Jahr bringen? Leben oder Tod? Gesundheit oder Krankheit? Krieg oder Frieden? Erfolg oder Scheitern? Wir wissen es nicht. Noch liegen die zwölf Monate vor uns, unbeschrieben wie leere Papierblätter.

Der Neujahrstag ist kein Tag wie jeder andere – es ist ein besonderer Tag, an dem wir uns besondere Gedanken machen. Neujahrsvorsätze sind weit verbreitet – das Gefühl, ich darf nochmal neu anfangen, ist am Neujahrstag besonders stark. Auf der anderen Seite ist es aber ein Tag wie jeder andere auch – die Unterbrechung des Alltäglichen ist eigentlich nur in unseren Gedanken vorhanden.

Wie schauen Sie auf das Neue Jahr, mit welchen Gefühlen und Gedanken beginnt ihr das Neue Jahr?
  • Überwiegt eher die Sorge? Befürchten Sie schlimme Erlebnisse?
  • Oder überwiegt eher die Vorfreude?
  • Freuen Sie sich auf schöne Momente?
Mir geht seit Anfang Dezember das Jahresmotto unseres Kirchenkreises nicht aus dem Kopf: Werfet euer Vertrauen nicht weg – so lautet es und fordert mich auf, voller Zuversicht und Vertrauen in die Zukunft zu schauen.

Was ist eigentlich Vertrauen?

Mir fallen viele ähnliche Worte ein: Vertrauen, Zutrauen, sich trauen, die Trauung, zutraulich, vertraulich, Misstrauen, vertrauensbildend, vertrauenerweckend, vertrauenswürdig. Jemanden betrauen mit einer Aufgabe, anvertrauen, hinaustrauen, heimtrauen.
Trauung, Trauschein, Trauzeuge.
Misstrauensantrag.
Traute haben.
Trautes Heim, Glück allein.
Vertrauensbasis, Vertrauensbeweis, Vertrauensperson, Vertrauensvorschuss.
Du bist zu vertrauensselig.
Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.
Trau dich doch!

Das Wort Vertrauen geht auf das gotische trauan zurück, es gehört zu der Wortgruppe um „treu“, was soviel wie stark, fest, dick bedeutet.

Vertrauen ist ein Phänomen, das in unsicheren Situationen auftritt. Wer sich einer Sache sicher sein kann, braucht ja kein Vertrauen. Vertrauen benötigt eine Grundlage, die Vertrauensgrundlage. Das könnten z.B. Erfahrungen sein. Wenn ich immer erlebt habe, dass der Bus pünktlich kommt, dann werde ich auch am kalten Morgen kurz vor planmäßiger Ankunft des Busses nicht verzweifeln, sondern mich darauf freuen, dass er gleich um die Ecke biegen wird und meinem Warten ein Ende macht. Ich kann darauf vertrauen, dass der Bus kommt, weil ich es schon oft selbst erlebt habe. Mein Vertrauen stützt sich auf meine Erfahrung.

Vertrauen kann auch entstehen, wo mir jemand von seinen Erfahrungen erzählt. Das erlebte Vertrauen der anderen Person kann sich auf mich übertragen. Im Beispiel mit dem Bus könnte es sein, dass mit mir an der Bushaltestelle jemand steht, der täglich mit diesem Bus zur Arbeit fährt. Wenn dieser Mensch beobachtet, wie ich immer wieder nervös nach dem Bus Ausschau halte, wie ich auf die Uhr gucke und zum wiederholten Mal den Fahrplan checke, dann könnte er mir erzählen, dass genau diese Buslinie eigentlich immer pünktlich kommt.

Jemandem sein ganzes Vertrauen zu schenken, kann sehr aufregend sein, z.B. das Vertrauen, das ein kleines Kind seinem Vater schenk, wenn es von oben herab in die ausgebreiteten Arme springt. Für beide ist dieses Erlebnis aufregend und schön – für das Kind, wenn es bemerkt, dass sein Vertrauen berechtigt war und es vom Vater aufgefangen wird – und natürlich für den Vater, dem das Vertrauen entgegengebracht wird, und der nun seinerseits alles daran setzt, dieses Vertrauen nicht zu enttäuschen.

Wie schon gesagt, unser Kirchenkreis hat den Bibelvers zum Jahresmotto für dieses Kirchenjahr ausgerufen: Werfet euer Vertrauen nicht weg (Hebr. 10, 35), (welches eine große Belohnung hat.)

Dazu gibt es ein Logo, über das man lange meditieren kann, und immer wieder wird man neues entdecken.

Mein erster Gedanke, als ich dieses Logo gesehen hatte, war: eine Kugel – vielleicht unsere Erde – ruht auf einer Hand. Gott hält uns fest – auch in diesen unsicheren Zeiten der Kriege und der Klimaveränderung. Wir können nicht tiefer fallen als in Gottes Hand.

Mein Zweiter Gedanke war: da steht ja eine Person auf dieser Hand. Ich erkenne den Kopf, die Arme sind ausgebreitet, wie zum Segnen. Sicher und fest sieht das aus, diese Person zeigt keine Unsicherheit. Von Gott getragen und gestützt, kann sie weitergeben, was sie von ihm empfangen hat – den Segen. Für mich wird das symbolisiert durch die drei kleinen Sternchen, die glitzernd und funkelnd aus der segnenden Hand erstrahlen.

Je länger ich das Bild anschaue, desto mehr entdecke ich. Ist das vielleicht gar keine Person, die da von der großen Hand gehalten wird? Es sieht eigentlich auch aus wie ein Schiff. Der Mast ragt an der linken Seite nach oben und weist zum Himmel. Dann sind die 3 Sterne am oberen Bildrand vielleicht die Orientierungspunkte am Nachthimmel. Wenn man nichts mehr sehen kann, wenn der Weg unsicher wird, dann helfen uns die Gestirne bei der Orientierung. Es sind genau 3 Sterne – vielleicht eine Andeutung auf den dreieinigen Gott, Vater, Sohn und Heiliger Geist? Sicherer als alle Sterne und als jedes GPS kann uns Gott den Weg durch die Zeit zeigen.

Das Boot, das andeutungsweise zu erkennen ist, erinnert an die Geschichten, die wir schon im Kindergottesdienst gehört haben: von der Seenot der Jünger, die mit dem Schiff unterwegs waren, als sich ein großer Sturm erhob, von Jesus, der mitten im Sturm ruhig und sicher schläft und erst von den Jüngern aufgeweckt werden muss. Nachdem Jesus den Sturm beruhigt hatte, fragte er die Jünger: Wo ist euer Glaube?

Die Frage war ja berechtigt, denn die Jünger waren ja nicht allein im Boot – Jesus war ja da, auch wenn er gerade mal geschlafen hatte. Gleichzeitig ist da immer noch die Hand, die das Boot trägt – was schadet ein Seesturm, was schadet ein Schiffbruch, wenn Gott das Meer ist? So könnte man fragen.

Einen dritten Gedanken zu diesem Logo möchte ich noch loswerden: das obere Kreissegment – in dem der Kopf der Person abgebildet ist, erinnert in der Form an ein Auge. Mit dieser Wahrnehmung entdecke ich, dass einerseits Gottes Hand mich, mein Lebensschiff, die ganze Welt hält und trägt, andererseits aber auch, dass Gott mich sieht, mein Lebensschiff, meine Fahrt durch das Meer der Zeit, das Treiben auf dieser Welt, ja, die ganze Welt. Mehr noch: Gottes Auge und Gottes Hand vervollständigen den Kreis – sie sind nicht außerhalb der Welt, sie sind Teil des Ganzen.

Werft euer Vertrauen nicht weg. Was für ein schönes Motto für das vor uns liegende Jahr. Ohne Vertrauen sieht die Zukunft düster aus. Ohne Vertrauen könnten wir keinen einzigen Schritt tun. Aber weil Gott uns sieht und hält, können wir voll Vertrauen in dieses Jahr gehen – und gelassen abwarten, was es uns bringen wird.

Geht gesegnet in dieses niegel-nagel-neue Jahr!
Monika